Unser Verein



 

„WO ABER GEFAHR IST, DA WÄCHST DAS RETTENDE AUCH“

 




 

Soviel Schönheit und soviel Traurigkeit sind auf diesem Bild vereint. Der damalige Betriebsratsvorsitzende und heutige Leiter unseres Besucherbergwerks, Franz Josef Sonnen, machte dieses Photo am Morgen des 27. März 1997. Es war der schwärzeste Tag in der Geschichte Hückelhovens. Auf dem Bergwerk Sophia-Jacoba ging die über 90jährige Epoche des Bergbaus in Hückelhoven zu Ende.

 

Gewiß, man hatte von schwarzen Fahnen gehört, die an einem solchen Tag über einem Bergwerk aufgezogen werden. Doch wohl jedem, der an diesem Tag nach Hückelhoven kam, lief es kalt über den Rücken, als er die schwarze Fahne nun auch über Sophia-Jacoba wehen sah.


 

Als der letzte Kohlewagen von den Bergleuten aus dem Förderkorb geschoben wurde, intonierte die Bergkapelle Sophia-Jacoba jene Melodie von Hans Leo Haßler, die wir von Paul Gerhardts Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ kennen. Auf diese Melodie wird auch ein evangelischer Choral (EG 531) aus Siebenbürgen gesungen, dessen Worte die Stimmung an diesem Tag unter den traurigen Menschen in Hückelhoven wiedergab:

 

                                                Noch kann ich es nicht fassen,

                                                was Deine Schickung meint.

                                                Doch will ich Dich nicht lassen,

                                                wie auch mein Auge weint.

 

Egal, ob man selbst Bergmann war oder nicht, ob die eigenen Vorfahren den Bergmannshelm getragen hatten oder nicht: “fassen“ konnte es keiner, war es doch über Jahrzehnte „unser“ Bergwerk.

 

Es ist ein seltsamer Kontrast: während im Hintergrund die schwarze Fahne weht, so hatte der Busch im Vordergrund bereits zu blühen begonnen! Für uns ist dieser Zufall kein „Zufall“. Für uns ist dieses Bild, ist dieser blühende Busch ein Sinnbild für das Entstehen unserer Gemeinschaft, denn:

 

 „Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch“ (Friedrich Hölderlin).

 

Dieses Bild symbolisiert für uns die geistige Geburtsstunde des „Fördervereins Schacht 3“. Nein, wir waren leider nicht in der Lage, den aktiven Bergbau in Hückelhoven zu retten, aber wir führen seit der Schließung den „ideellen Bergbau“ in Hückelhoven weiter. Gemeinsam mit der Bevölkerung Hückelhovens haben wir nicht nur das Gebäude und das Fördergerüst von Schacht 3 vor der Vernichtung bewahrt, sondern den Bergbau zum gemeinschaftlichen kulturellen Erbe aller Menschen in unserer Heimat gemacht.

 

 

WAS FÜR MENSCHEN ENGAGIEREN SICH BEI UNS?

In einem alten Bergmannswörterbuch aus dem 17. Jahrhundert finden wir den Begriff „Bergwurzel“.

 

                                               Bergwurzeln:

                                               So werden die genennet,

                                               die große Liebhaber vom Bergbau sind

                                               und davon nicht abzubringen sind.


 

Sie dürfen sich unsere Gemeinschaft als Vereinigung solcher „Bergwurzeln“ vorstellen: denn unabhängig davon, ob wir selber Bergleute waren oder nicht, so wollen wir uns eben nicht vom Bergbau und seiner Tradition abbringen lassen.

 

 

WAS IST DENN EIGENTLICH AM BERGBAU SO BEGEISTERND UND BEWAHRENSWERT?

Schon ein Blick auf Schacht 3 zeigt es: so schön können Industriebauten sein. Keine vorfabrizierten Betonteile, keine Belanglosigkeiten aus Wellblech oder Kunststoff, die wir heute in gräßlich monotonen, überall gleichen Gewerbe- und Industriegebieten sehen. Stattdessen Sinn für Proportionen, handgefertigte Ziegel, sorgfältig und liebevoll gemauerte Wände, gußeiserne Räder, genietete Streben, geschmiedete Speichen. Mit anderen Worten: eine wirkliche Synthese aus Schönheit und Zweckmäßigkeit oder wie Oliver Jungen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb: „ein graziler Zeuge einer anderen Zeit“.



Und da sind natürlich die Menschen, die der Bergbau hervorbringt. Sie fragen nicht: „Was habe ICH davon?“ oder “Was kriege ICH dafür?“. Die Ellbogengesellschaft, in der man sich mit „Killerinstinkt“ durchsetzt – das ist nicht die Welt des Bergmanns, für den immer das Gesetz der Kameradschaft gilt: einer für alle und alle für einen.

 

Für den Bergmann ist seine Arbeit auch nicht ein bloßer „Job“, den man morgen schon wieder an den Nagel hängt. Er ist stolz darauf, daß vor ihm schon sein Vater und sein Großvater Bergmann waren und seine Söhne und Enkel ihm nachfolgen. Und Bergmannsfrauen haben nie gefragt: „Wie kann ich mich jetzt selbst verwirklichen?“, sondern sie waren ihren Männern gute Ehefrauen und ihren Kindern gute Mütter.

Bergleute haben eine eigene Kultur und einen eigenen Stolz, eigene Trachten und eine eigene Sprache, eigene Lieder und eigene Bergkapellen (eine besonders gute finden Sie auf der Seite bergkapelle-sophia-jacoba.de), eigene Gebete und eigene Schutzheilige.

Wie kulturell armselig ist doch unsere angeblich so fortschrittliche Arbeitswelt im Vergleich dazu? Welche Lieder bringt die IT-Branche hervor, welche Trachten die Autoindustrie, welcher Bankkaufmann sähe in seinem Mitarbeiter den Kameraden und nicht doch den Konkurrenten, und welcher Informatiker käme auf die Idee, morgens seine Schutzpatronin anzurufen?

 

Natürlich wissen auch wir beim Förderverein Schacht 3, daß wir die Uhr nicht zurückdrehen können, daß wir die Epoche des aktiven Bergbaus nicht mehr nach Hückelhoven zurückbringen können. Aber wir sind der Meinung, daß der Bergbau und der Bergmannsstand uns soviel Wertvolles und Schönes gegeben haben, daß wir alles dafür tun wollen, etwas davon weiterzugeben.

 

MUSS MAN BERGMANN SEIN, UM BEI UNS MITGLIED ZU WERDEN?

Natürlich nicht. Auch wenn wir keine entsprechenden Erhebungen in unserem Verein durchführen, so vermuten wir doch, daß die meisten Vereinsmitglieder keine Bergleute sind und nicht einen Tag unter Tage gearbeitet haben.

 

WIE GROSS IST DER FÖRDERVEREIN?

Der Förderverein hat derzeit über 1000 Mitglieder. Wir sind, um es mit den Worten des Hückelhovener Bürgermeisters Bernd Jansen zu sagen, „die größte Bürgerinitiative weit und breit.“

 

IST DER MITGLIEDSBEITRAG SEHR HOCH?

Nein, wir haben den Jahresbeitrag mit 10 Euro bewußt niedrig angesetzt, um möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, die Bergbautradition in Hückelhoven zu unterstützen. Diese Mitgliedsbeiträge geben uns die finanzielle Grundlage, auf der wir arbeiten können.

 

GIBT ES IRGENDWELCHE SONSTIGEN PFLICHTEN FÜR EIN VEREINSMITGLIED?

Nein. Wir sind sehr dankbar, daß Sie uns den Jahresbeitrag schenken. Wir wissen, auch 10 Euro sind eine beachtliche Summe, und wir versichern Ihnen, daß wir sorgsam mit diesem Geld umgehen. Sollten Sie darüberhinaus speziell unserer „Belegschaft“ mit Rat und Tat zur Seite stehen können, so würden wir uns sehr freuen.

 

WAS IST DENN DIE „BELEGSCHAFT“?

Als eine Besucherin sich erstaunt zeigte, daß auf einer stillgelegten Grube eine „Belegschaft“ tätig sei, erwiderte einer unserer Aktiven: „Richtig, die Grube ist stillgelegt – aber ich lehne das ab!“ Solche Menschen braucht man, wenn es gilt, Unmögliches möglich zu machen!

 

Die „Belegschaft“ von Schacht 3 ist gewissermaßen der „harte Kern“ unseres Vereins und umfaßt rund 100 Aktive. Waren es anfangs natürlich vor allem ehemalige Bergleute, so sind über die Jahre zunehmend auch Nicht-Bergleute zu uns gestoßen. Viele von ihnen kommen jeden Donnerstagmorgen auf Schacht 3 zusammen. Neue Leitungen werden verlegt, es wird gehämmert, gestrichen und gesägt. Es gilt aber auch, tausende Photos in unserem Archiv zu ordnen. Wir richten neue Werkstätten ein, bringen unsere Maschinen wieder zum Laufen, wir organisieren riesige Trödelmärkte, aus deren Erlösen wir den Betrieb der Anlage finanzieren. Mehrfach in der Woche führen ehemalige Bergleute Besuchergruppen durch unseren Stollen und bringen unseren Gästen die Welt des Bergmanns nahe.

Sie sehen: die Arbeit geht uns nicht aus – die Phantasie aber auch nicht!




Hier sehen Sie einen Teil unserer Belegschaft während eines arbeitsreichen Tages. Im Hintergrund der von unserer Belegschaft komplett neu erbaute „Barbarastollen“, der am 27. März 2007 feierlich eingeweiht wurde.

 

KANN MAN GELD VERDIENEN, WENN MAN IM „FÖRDERVEREIN SCHACHT 3“ MITMACHT?

Da sind Sie bei uns leider an der falschen Adresse! Keiner von uns bekommt auch nur einen Pfennig. Sie werden bei uns auch niemanden sehen, der mit der „offenen Hand“ dasteht: Trinkgelder gibt es nicht. Sämtliche Einnahmen kommen nur „Schacht 3“ zugute. Bei uns erleben Sie „Ehrenamt pur“. So bleiben wir glaubwürdig: vor der Bevölkerung, vor unseren Besuchern und nicht zuletzt auch vor uns selbst.

 

Sie sehen es ja selbst…

Bei uns wird jeder Pfennig umgedreht.

 

 

WAS KÖNNEN SIE TUN, UM DAS PROJEKT SCHACHT 3 ZU UNTERSTÜTZEN?

Besuchen Sie eine unserer Veranstaltungen.

Melden Sie sich mit einer Besuchergruppe zu einer Führung an.

Oder kommen Sie als Einzelbesucher zu einem „Tag der Offenen Tür“, den wir mehrmals im Jahr veranstalten. Die Termine werden in der Lokalpresse und auf unserer Internetseite bekanntgegeben.

Nehmen Sie Prospekte mit und geben Sie sie weiter.

Schauen Sie ab und zu auf unserer Website vorbei.

Sagen Sie uns, wenn es Ihnen bei uns am Schacht gefallen hat.

Aber vor allem, und darum bitten wir Sie wirklich: lassen Sie uns wissen, wenn Sie nicht so zufrieden waren. Wenn wir etwas besser machen können, dann sagen Sie es uns: wir sind nicht perfekt und müssen stets dazulernen.

Und natürlich, wenn Sie mögen, werden Sie bei uns Mitglied: denn je mehr Mitglieder wir haben, umso größer ist auch unsere Wirkung in der Öffentlichkeit.

 

 

 

UND WAS KÖNNEN SIE TUN, WENN SIE NICHT IN UNSERER HEIMAT WOHNEN?

Na klar, dann können Sie ebenso bei uns Mitglied werden: wir haben auch Vereinsmitglieder in der Türkei und in Texas!

Aber schauen Sie auch mal, ob nicht vielleicht auch in Ihrer Gegend ein Schaubergwerk, ein Bergbaumuseum, eine Mineraliensammlung, ein Förderverein o.ä. existiert. Man wird sich auch dort über jeden Besuch, jedes Interesse, jedes anerkennende Wort freuen!

Erkundigen Sie sich, ob vielleicht um den 4. Dezember herum ein Barbaragottesdienst in Ihrer Nähe stattfindet.

Wenn Sie in Urlaub fahren: vielleicht ist ein Besucherbergwerk ganz in der Nähe, und nehmen Sie Ihre Kinder oder Enkel mit!

 

Und nicht zuletzt: Denken Sie ab und zu an die vielen Bergleute in der ganzen Welt, die jeden Tag und jede Nacht tief in die Erde einfahren und ihre wertvolle, aber auch gefährliche Arbeit verrichten, damit wir alle leben können!

 

 

ABER WENN SIE IN UNSERER HEIMAT WOHNEN…

…und Sie ein bißchen Zeit haben, unserer Belegschaft zu helfen: wir sind für jede helfende Hand, für jedes freundliche Gesicht dankbar. Vielleicht können Sie uns bei unseren Restaurierungsarbeiten am Schacht unterstützen, vielleicht beim Sortieren von Photos in unserem Archiv, vielleicht mal beim Gläserspülen bei einer Veranstaltung, vielleicht mal beim Aufhängen eines Plakates, vielleicht mal beim Waffelbacken, vielleicht mal eine Stunde beim Kartenabreißen bei einem Fest, vielleicht mal beim Schreiben eines Textes, vielleicht mal…

 

Sprechen Sie einfach mal mit uns. Haben Sie keine Sorge, daß Sie sich damit „verpflichten“, bei uns wird niemand „vereinnahmt“. „Schacht 3“ ist eine nette Truppe, und wir alle tun es für den einen, guten Zweck, nämlich für:

 

                                                                     „Schacht 3

                                                des Steinkohlenbergwerks Sophia-Jacoba

                                                                 in Hückelhoven“.

 

 

„Die wahren Könige leben in der Unterwelt“

 

 

Unter diesem Titel schildert Oliver Jungen in einem Reisebericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7. Juli 2011 seine Eindrücke von einem Besuch in Hückelhoven, bei dem er auch auf Schacht 3 zu Gast war. Im Förderturm erkannte er einen „grazilen Zeugen einer anderen Zeit“ und berichtet u.a. wie „die einstigen Kumpel dem Kohlezeitalter ein lebendiges Denkmal errichtet haben“.

 

Wir dokumentieren hier einige der wesentlichen Passagen des Artikels.

 

„Wer sie (d.h. die Stadt Hückelhoven, Anm. d. Red.) verstehen will, der muß den Blick heben: Mitten im Zentrum wächst ein graziler Förderturm in die Höhe, das Wahrzeichen. (…)

 

Im Maschinenhaus von Schacht 3, dem Rumpfgebäude unter dem Förderturm, bin ich mit ehemaligen Bergleuten verabredet, welche die Anlage zum Erinnerungsort umfunktioniert haben – und das ohne öffentliche Gelder. Was sie für die Aufrechterhaltung des Betriebs benötigen, verdienen sie mit fünf jährlichen Großflohmärkten auf dem Zechengelände. Doch nicht nur den Maschinenraum haben die bis zu vierzig Ex-Kumpel, die jeden Donnerstag hier ehrenamtlich arbeiten und hinter denen ein Förderverein mit mehr als tausend Mitgliedern steht, liebevoll renoviert. Sie haben vor allem den beeindruckenden „Barbarastollen“ eingerichtet. Dabei handelt es sich um den oberirdischen Nachbau eines Stollens (siebzig Meter Strecke und fünfundzwanzig Meter Streb), dessen Grundgerüst – über einhundert Tonnen Stahl – von der örtlichen Bergberufsschule zum Schacht 3 transportiert wurde. Besuchergruppen dürfen selbst festlegen, wann sie durch die Anlage geführt werden wollen, und das für spottbillige drei Euro Eintritt (sieben Euro mit Verpflegung „bis zum Abwinken“). Seit der Fertigstellung des Barbarastollens im Jahr 2007 haben fünfzehntausend Personen ihn besichtigt.

 

Der König von Schacht 3 ist der zweiundsiebzigjährige Franz-Josef Sonnen. (…)

Sonnens Organisationstalent hat schließlich auch entscheidend dazu beigetragen, daß die Bergleute sich „ihren Schacht“ erhalten konnten, den „ästhetischsten Förderturm überhaupt: komplett genietet“.

Nicht nur Sonnen, Vorsitzender des Fördervereins Schacht 3, ist zum Gespräch gekommen, sondern auch sein Stellvertreter Detlef Stab sowie der Geschäftsführer Rainer Appelt, einer sympathischer als der andere.“


Diese eine Sache bietet Hückelhoven Touristen also doch, und sie ist absolut empfehlenswert. Denn es sind die Kumpel selbst, die dem Besucher ihren ehemaligen Arbeitsplatz nahebringen. Das tun sie mit solcher Begeisterung für ihren Beruf, daß man den Staub förmlich einzuatmen glaubt, die Kohle aus der Wand brechen sieht und von der Solidarität unter den Arbeitern ergriffen ist. Man sollte einen Besuch also nicht allzu lange aufschieben, denn es scheint kaum möglich, daß die nächste Generation diese Art emphatischer Vermittlung noch leisten kann. (…)

                                                                                                                                                                                                                                                                           


Weinachsmarkt Hückelhoven 2015

                                                                                                                                                                                                                                                                           

 Jahresabschluss 2015