BRAUCHTUM

1.      Bergmännische Gebete

2.      Das Bergmännische Erntedankfest

3.      Der Bergmännische Kreuzweg

             4.        Barbarabrauchtum

             5.        Allerseelen und Totensonntag

In wenigen Jahren wird der Bergbau in unserem Land, von Restbeständen abgesehen, nur noch Geschichte sein. Neben äußeren Erinnerungen wie Halden, Stollen, Fördertürmen oder Besucherbergwerken bleiben uns eine reiche Kultur, Traditionen, Trachten, Lieder, z. T. sogar neu entstehendes Brauchtum und nicht zuletzt der christliche Glaube des Bergmanns.

Und das ist - bei Lichte betrachtet - schon eine ganze Menge. Machen wir also etwas daraus! Nachfolgend einige Anregungen und, wie wir hoffen, Anreize für den persönlichen Gebrauch.

 

Diese Barbaradarstellung stammt aus den berühmten Glaswerkstätten Oidtmann in Linnich, deren Werke u.a. sogar in den Vatikanischen Museen zu sehen sind. Das Bild entstand im Jahre 1936 und wurde nach einem Entwurf des Hauses Oidtmann gefertigt. Es war Teil einer Reihe von Glasbildern, die ein Direktor der Grube Sophia-Jacoba bei Oidtmann in Auftrag gegeben hatte. Der Kohlscheider Künstler Alois Essers (1879-1959) fügte das Glasbild dann in ein Fenster ein, das sich bis 1995 in „Haus Barbara“ in Hückelhoven-Doveren befand.

Die Zeile „Wir Bergleut zu Dir stehen, um Deine Hilfe flehen“ stammt aus einem Bergmannslied, das auf die Melodie von „Innsbruck ich muß Dich lassen“ gesungen wird. Da es uns bisher nicht gelungen ist, den vollständigen Text zu finden, wären wir für jeden Hinweis dankbar.

 

Wir danken den Werkstätten Dr. H. Oidtmann in Linnich für den warmherzigen Empfang und für den Einblick in die historischen Originalunterlagen.

 

 

 

1. BERGMÄNNISCHE GEBETE

 

ABENDGEBET

Heilige Barbara, in dieser Nacht,

fahr mit dem Bergmann in den Schacht,

steh ihm bei in jeder Not,

bewahr ihn vor dem jähen Tod.

 

Dieses kurze und sprachlich ansprechende Barbaragebet ist auch als Gute-Nacht-Gebet für Kinder geeignet, wenn Sie abends Ihre Kinder oder Enkel zu Bett bringen. Auch wenn es in Deutschland bald kaum noch Bergleute geben wird, so ist einem Kind doch einsichtig, daß überall auf der Welt in dieser Nacht Bergleute einfahren, daß sie für unser aller Wohlergehen arbeiten und daß es wichtig ist, für sie zu beten.

 

TISCHGEBET


Da mag das Mittagessen noch so verführerisch duften, für dieses kurze und kernige Tischgebet ist immer noch Zeit. Wir vermuten, daß es aus dem Erzgebirge stammt. Für die protestantische Tradition ist es kennzeichnend, Christus mit bergmännischen Ehrentiteln wie Bergfürst, Berghauptmann oder „himmlischer Bergmann“ anzusprechen.

Jesu, liebster Berghauptmann,

brich das Brot, und sitz mit an.

 


 GEBET ZUR HEILIGEN BARBARA


Dies ist das unseres Wissens älteste Bittgebet zur Hl. Barbara. Es befindet sich in der Urfassung auf einem Flugblatt von ca. 1780 und soll aus der Gegend von Eisenerz (Steiermark) stammen. In vielen Bergwerken wurde es als Einfahrtsgebet gesprochen.

Heil`ge Barbara, Du edle Braut,

mein Leib und Seel sei Dir vertraut.

Sowohl im Leben als im Tod,

bewahre mich vor aller Not.

 

Hilf, daß ich vor meinem letzten End

empfang das Heil`ge Sakrament.

Bei Gott mir nur soviel erwirb,

daß ich in Seiner Gnade stirb.


Den bösen Feind weit von mir treib,

mit Deiner Hilf stets bei mir bleib.

Wann sich mein Seel vom Leib abwend,

so nehme sie in Deine Händ.

 

Behüt sie vor der Höllen Pein,

und führ sie in den Himmel ein.

 

Dieses Gebet eignet sich sowohl für den liturgischen (z. B. Barbarafeiern) als auch für den privaten Gebrauch.

 

                                                                        GEBET ZUM JAHRESENDE

Dieses neue (!) „Gebet zur Mettenschicht“ stammt von dem evangelischen Bergmannspfarrer Frank Meinel (*1960) aus Schneeberg im Erzgebirge und ist dem empfehlenswerten Buch „Hinab, die Glocke ruft“ von Frank Meinel und Klaus Wenzel entnommen (Bitte lesen Sie auch unsere kurze Rezension in der Rubrik „Jenseits der eigenen Halde“). Unter einer Mettenschicht versteht man eine aus dem Protestantismus stammende, heute aber auch in katholischen Gegenden begangene Bergmannsandacht in der Vorweihnachtszeit, die in ihren Ursprüngen in das 16. Jahrhundert zurückreicht.

Das Gebet nimmt den bergmännischen Begriff der „Schicht“ auf und wendet ihn auf das Leben des Menschen an: die Schicht des Tages, die Schicht des Jahres und die Schicht des Lebens. Es steht in der besten protestantischen Tradition, da sich hier theologische Tiefe, gedankliche Klarheit und sprachliche Schönheit vereinen. Es ist aber natürlich nicht nur für Mettenschichten geeignet, sondern z. B. auch für Barbarafeiern oder Jahresschlußandachten und nicht zuletzt für den privaten Gebrauch. Und man muß auch keineswegs Bergmann sein, um es zu sprechen. Zudem eignet sich Vers I auch als eigenständiges Abendgebet.

 

Wir danken Dir, Schöpfer allen Lebens,

Du Gott Himmels und der Erden, für die Schicht dieses Tages.

Wir durften leben und atmen, tun und ruhen, aufstehen und gehen.

Du hast uns Zeit geschenkt. Dafür danken wir Dir.

Und bitten für unser Tagewerk, daß Du es segnest.

Laß das Bergwerk und alle andere Arbeit bestimmt sein von Sinn und Freude.

Gib, daß wir uns darin bewähren.

Und gib, daß wir vom Ertrag unseres Tagewerks mit unseren Familien leben können,

daß unser Land erblühe und sein Nutzen sich mehre.

Das bitten wir, O Schöpfer des Lebens.

 

Wir danken Dir, Versöhner des Lebens,

Du Bergfürst Jesus Christus, für die Schicht dieses Jahres.

Wieder sind wir ein Jahr älter geworden, und Du hast uns bewahrt.

Dafür danken wir Dir.

Und bitten, daß wir unsere Jahre in Verantwortung vor Dir und den Menschen gestalten.

Vergib uns das Böse, stärke das Gute und gib uns, Dein Gesetz zu achten und Dein Evangelium zu hören.

Du begleitest uns von Ort zu Ort, im Berg, im Leben, im Lieben, im Leiden.

Dein Licht zünde uns an.

Das bitten wir, Du Bergfürst des Lebens.

 

Und so danken wir Dir, Vollender des Lebens,

Du Heiliger Geist aus Vater und Sohn, für die Schicht unseres Lebens.

Dein Wille rief uns ins Dasein.

Du hast uns gewollt und gerufen.

Dafür danken wir Dir.

Und bitten Dich, daß unser Leben in Deinem Licht nicht verderbe.

Sei bei allen Kranken und Einsamen, allen unseren Bergbrüdern.

Und gib, daß wir einst unsere letzte Schicht zu Dir fahren,

die Ernte des Lebens vollenden in Dir.

Das bitten wir Dich, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist.

 

 

                                                                                                   GEBET ZUR EINFAHRT

Der Text dieses Gebetes hängt im Maschinenhaus von Schacht 3, aber wir haben es auch schon auf manch anderer Grube gefunden. Auch dieses Gebet erschließt Glaubensinhalte, indem es bergmännische Begriffe und Wendungen benutzt. Es ist aber keineswegs nur für bergmännische Feiern oder gar nur für Bergleute geeignet. Denn auch ein Nicht-Bergmann hat ebensoviel Grund zu bitten „Schließ auf den Stollen Deiner Liebe“. Und so bietet sich der Text auch an als privates Gebet vor einem Gottesdienst.

Der Text könnte aus dem Erzgebirge oder dem Harz stammen.

                                Wir richten, eh wir niederfahren,

                                den Blick, O Gott, empor zu Dir.

                                 O woll uns, Herr, getreu bewahren.

                                 Laß wiederkehren uns nach hier.

 

                                 Schließ auf den Stollen Deiner Liebe,

                                 den finster`n Schacht, in dem wir bau`n.

                                 Schirm uns vor Ort und im Betriebe,

                                 laß fromm und treu uns Dir vertrau`n.

 

                                 Herr, segne Strecken, Schacht und Stollen,

                                 bewahr uns vor Flut und Brand.

                                 Herr, dem wir treu gehören wollen,

                                 Du hast die Welt in Deiner Hand.

 

 

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2. DAS BERGMÄNNISCHE ERNTEDANKFEST


                                                            Ein phantasievoll und geschmackvoll dekorierter Erntedanktisch mit einem Korb Steinkohle (im Vordergrund)


Wir alle wissen, wie entfremdet wir unseren Lebensgrundlagen sind. Diese Erkenntnis ist schon eine Binsenweisheit, so daß der Spott, „der Strom kommt aus der Steckdose“, „die Milch aus der Tüte“ und „der Schinken aus dem Aldi“ uns schon fast so abgegriffen vorkommt wie die Aussage, Kinder glaubten, „Kühe sind lila“.

Umso schöner und wichtiger aber, daß hierzulande gerade in den letzten Jahren Erntedankgottesdienste die Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung, aber auch vor der gottgewollten menschlichen Arbeit in den Sinn zurückrufen.

Seit einigen Jahren wird gerade in (ehemaligen) Bergbaugegenden eine besondere, eine bergmännische Tradition des Erntedanks wiederbelebt. Wir sehen, wie nicht nur Früchte, Kohlköpfe oder Kürbisse vor den Altar getragen werden, sondern auch Erntekörbe mit Kohle, mit Erzbrocken, mit Salzsteinen. Auch hier handelt es sich schließlich um Früchte der Erde, nur daß sie eben nicht auf der Erde gewachsen sind, sondern in der Erde.

Die evangelische Theologin Elke Rudloff, die aus dem Wort zum Sonntag bekannt ist, beschreibt diesen Brauch: „Mitten zwischen Kohl und Möhren, Äpfeln und Avocados ein dicker Brocken Kohle. Den legten die Bergleute früher zu Erntedank auf den Altar. Um auf ihre Weise „Danke“ zu sagen für alles, was sie „ernteten“, ohne es selbst gesät zu haben.“

Auch wenn sie sich bewußt waren, daß sie eben nicht wie die Bauern säten, so haben die Bergleute vieler Jahrhunderte doch stets die Förderung von Bodenschätzen als eine Ernte gesehen, die sie nur mit Gottes Hilfe und durch Gottes Gnade durchführen konnten: „weil Gott unsere Hände damit füllt“ (Elke Rudloff). Und diese Ernte geschah unter wesentlich größeren Mühen und Gefahren, als sie ein Bauer auf dem Feld durchleben mußte.

Hinzu kam, daß die Bergleute früherer Zeiten glaubten, Bodenschätze wüchsen nach, genau wie Ackerpflanzen. Bergmannschoräle preisen Gott, da er Gold, Silber, Kupfer, Eisen „läßt wachsen aus der Erden“, und sie bitten „Heiß wachsen reiches Erz“. Allgemein bekanntestes Zeugnis dieser Vorstellung ist der altbekannte Harzer Bergmannsspruch:

                                     Es grüne die Tanne,

                                     es wachse (!) das Erz.

In der Christlichen Bergordnung von 1562 formuliert der erzgebirgische Theologe und Luther-Biograph Johann Mathesius: „Ihr Bergleute sollt glauben, daß Gott läßt Erze wachsen (…). Natürlich wissen wir heute, daß diese Vorstellung irrig war, aber Mathesius sagt zurecht: „Denn wenn Gott nicht geit (=gibt), so hilft kein Arbeit“. Die Dankbarkeit, die diese Bergleute beseelte, taugt uns also auch heute zum Vorbild und dies völlig unabhängig davon, daß die meisten dieser Rohstoffe nicht mehr in deutschen, sondern in ausländischen Bergwerken gefördert werden.

Vielleicht ist so ein bergmännischer „Akzent“ im Rahmen des Erntedankgottesdienstes ja auch in Ihrer Kirche möglich, selbst wenn Sie nicht in einer Bergbauregion leben. Sprechen Sie doch einfach mal mit Ihrem Pfarrer!

Und wie Bergleute nach dem Gottesdienst das Erntedankfest feiern, zeigen uns die Bilder aus Bad Gastein, auf denen wir u.a. die Böcksteiner Knappenmusik sehen. Aufgenommen hat sie der Bad Gasteiner Arzt Dr. Anton Ernst Lafenthaler. Schauen Sie doch mal auf seiner Seite gastein-im-bild.info vorbei. Man kann kaum glauben, daß Dr. Lafenthaler „nur“ ein Hobbyphotograph ist!




 

3. DER BERGMÄNNISCHE KREUZWEG

Uns sind bislang vier eigens angelegte Bergmännische Kreuzwege in Deutschland bekannt. Natürlich sind alle Kreuzwege das ganze Jahr über zugänglich und können jederzeit einzeln oder in Gruppen begangen werden. Es finden vor allem in der Passionszeit aber auch große Kreuzwegandachten statt.

3.1 Bergmännischer Kreuzweg Elpetal (Sauerland)

Der älteste Bergmännische Kreuzweg befindet sich im Elpetal im Sauerland und ist über 100 Jahre alt. Er befindet sich entlang des Weges, den die Bergleute der Bergwerke Juno und Aurora tagtäglich zu ihrer Grube gingen und ist gerade ob seiner Schlichtheit anrührend. Die Bergleute ritzten einfach die Stationszahlen in Bäume und Holzstämme und konnten so den Kreuzweg auf Hin- und Rückweg von der Arbeit beten. Die Stationen wurden unlängst restauriert, und es finden regelmäßige Kreuzwegandachten statt.

Die übrigen drei Bergmännischen Kreuzwege sind alle auf Halden angelegt.

 

3.2 Halde Zeche Prosper Haniel, Bottrop (Ruhrgebiet)

Am Karfreitag 2010 zogen bereits über 10.000 (!) Menschen – Bergleute und Nicht-Bergleute – mit dem Ruhrbischof Franz Josef Overbeck die Halde Prosper Haniel in Bottrop hinauf. Diese gerade erst seit 1995 bestehende Feier ist längst die größte kirchliche Veranstaltung im Ruhrbistum. Die Stationen zeigen Kunstwerke der Künstlerin und Ordensschwester Tisa von der Schulenburg, die einen Großteil ihres Schaffens den Bergleuten gewidmet hat und deren Werke vor Jahren auch auf einer Ausstellung in Hückelhoven zu sehen waren. Zur Seite gestellt ist diesen Tafeln jeweils ein Gegenstand aus der Arbeitswelt des Bergmannes. Auf dem Haldenplateau findet die Schlußandacht unter einem Kreuz aus Spurlatten (Latten aus Hartholz, an denen entlang der Förderkorb in die Tiefe fährt) statt, das Jungbergleute von Prosper Haniel errichteten und das an den Besuch von Papst Johannes Paul II. auf der Zeche erinnert. Die Kreuzwegandacht findet immer am Karfreitag statt.

 

3.3 Halde Zeche Waltrop (Ruhrgebiet)

„So etwas können wir doch auch in Waltrop machen!“, hieß es bereits auf der Heimfahrt im Bus, als die KAB Waltrop vom Bottroper Kreuzweg zurückkehrte. Und da im Ruhrgebiet getreu dem alten Sinnspruch „Bergleut sind Werkleut“ nicht lange geredet sondern angepackt wir, machten sich viele fleißige Angehörige der Pfarre St. Peter/St. Marien an die Arbeit, sodaß 2007 die erste Bergmännische Kreuzwegandacht mit hunderten von Gläubigen ihren Weg von der Zeche Waltrop (heute Fa. Manufactum) auf die Halde Waltrop nahm. Die bei der Fa. Langendorf gefertigten Kreuzwegstationen stammen von dem Bildhauer und Schriftsteller Paul Reding. Den Termin erfahren Sie auf der Seite der Pfarre St. Peter Waltrop.

LINK:         http://drupal7.msw-server.de/einrichtungen/einrichtungen/kreuzweg.html   

 

3.4 Halde Lydia des Bergwerks Camphausen, Quierschied-Fischbach (Saarland)

Deutschlands neuester Bergmännischer Kreuzweg befindet sich im Saarland, auf der Halde des Schachtes Lydia des Kohlenbergwerks Camphausen. In einer 72-Stunden-Aktion machten sich 2009 dutzende Jugendliche der Pfarreien St. Paul und St. Peter unter der Leitung von Diakon Christoph Storb an die Arbeit. Bis in die Nacht wurde unter den Flutlichtern des THW Löcher gegraben, Erde und Steine bewegt. So errichtete man die Kreuzwegstationen, die von einem weithin sichtbaren 6 Meter hohem Kreuz überragt werde. Es finden regelmäßig ökumenische Kreuzwegandachten statt.


3. 5 Haldenkreuz der Zeche Westfalen in Ahlen (Westfalen)



Spektakulärer hätte es kaum sein können: vor den Augen von mehr als 1000 Gläubigen wurde das 7 Meter hohe Holzkreuz am 13. August 2005 während des Weltjugendtages von einem Hubschrauber zu seinem Standort geflogen: der Halde der Zeche Westfalen in Ahlen. Möglich gemacht hatte es auch hier wieder eine private Initiative. Um das Ahlener Ehepaar Detlef und Martina Jotzeit hatten sich viele Bürger aber auch unterstützende Unternehmen aus der Region geschart, und so kam Ahlen zu seinem neuen Wahrzeichen: einem weithin sichtbaren Zeichen christlichen Glaubens und bergmännischer Tradition, das vor allem in der Adventszeit nachts sogar illuminiert ist. Der rührige Förderverein des Haldenkreuzes stellt  seither sicher, daß das Kreuz nicht nur seinen ästhetischen, sondern auch seinen spirituellen Wert behält. So führen Kreuzwegandachten (auch abends im Fackelschein) und morgendliche Frühandachten (unter dem unmißverständlichen Leitspruch „Raus aus den Federn…!“) bergauf, und der Verein begleitet auch die Teilnehmer der Friedensprozession. Das Jahr 2012 sah auch das erste Ahlener Passionsspiel mit 60 Mitwirkenden, die den Leidensweg unseres Herrn nachstellten. Hunderte von Gläubigen kamen dazu auf die Halde. Einen guten Eindruck bekommen Sie hier.

LINK:         http://www.haldenkreuz.de/   

 

Alle diese Kreuzwege zeigen, wieviel man mit nur ein bißchen Eigeninitiative und Phantasie erreichen kann. Überlegen Sie doch, ob Sie nicht auch an Ihrem Heimatort eine Bergmännische Kreuzwegandacht halten könnten. Dazu brauchen Sie natürlich keinen neuen Kreuzweg anzulegen, und eine Halde ist auch nicht vonnöten. Gehen Sie einfach einen existierenden Kreuzweg und beten Sie einen Andachtstext, der einen bergmännischen Bezug hat und der die Brücke von der Arbeit zum Glauben schlägt.

Besonders empfehlen möchten wir Ihnen die ausgezeichneten Texte des Bottroper Haldenkreuzweges, die auf der Seite der Pfarre St. Barbara Oberhausen-Königshardt zu finden sind.  stbarbara-ob.de/haldenkreuzweg.htm


Geeignete Bergmannslieder und Bergmannschoräle finden Sie in den Liederheften des „Vereins Sächsische Bergmannslieder“, dessen Anschrift Sie in der Rubrik „Förderverein“, Unterpunkt „Jenseits der eigenen Halde“ finden.

Örtliche Gruppen wie z.B. die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB), die Evangelische Arbeitnehmerbewegung (EAB), die Kolpingfamilie, ein evangelischer Posaunenchor, die Schützenbruderschaft oder ein Knappenverein wären geeignete „Mitstreiter“. Sprechen Sie doch mal mit Ihrem Pfarrer!

 

 

 

4. BARBARABRAUCHTUM

 

4.1 Barbarazweige

Ein in der dunklen Jahreszeit besonders schöner, da hoffnungstiftender Brauch sind die Barbarazweige. Schneiden Sie sie am Barbaratag und legen sie dann über Nacht z.B. in die Badewanne in warmes Wasser (ganz bedeckt!). Stellen Sie die Zweige dann in eine Vase mit Wasser und wechseln Sie alle zwei oder drei Tage das Wasser. Wenn Sie die Vase an einen hellen, aber nicht überheizten Platz (also nicht gerade auf den Heizkörper!) stellen, werden bis zum Weihnachtsfest die Blüten oder die Triebe kommen. Man kann auch einige Brösel Grillkohle, angeblich aber auch Aspirin (haben wir nicht nachgeprüft!) hinzufügen, damit die Zweige nicht faulen.

Eine ganze Reihe von Gehölzen eignen sich, so Apfel, Kirsche, Birne, Birke, Haselnuß, Kastanie, Pflaume, Rotdorn, Holunder. Schneiden Sie doch einfach verschiedene Zweige und probieren es mal aus. Unser Tip: mit den allerorten wachsenden Forsythien klappt es nach unserer Erfahrung immer! So können Sie die alte Weisheit „Knospen an St. Barbara, sind am Christfest Blüten da“ ganz praktisch erleben.



Dieser mindestens in das 13. Jahrhundert zurückgehende Brauch ist nicht nur ein Orakelbrauch, bei dem Glück, Fruchtbarkeit, gutes Wetter (oder natürlich auch ein guter Ehemann!) für das neue Jahr erkennbar sein sollte. Natürlich sollen die treibenden Blüten in dunkler Jahreszeit auch den Glanz des Erlösers verdeutlichen, der das Dunkel erhellt.

Das Gewand der Hl. Barbara soll sich auf ihrer Flucht in einem Gestrüpp verfangen haben. Einen Zweig, der hängengeblieben war, stellte sie in ihrer Haft in Wasser, so daß er an ihrem Todestag, also dem Geburtstag zu ihrem ewigen Leben, erblühte. Der Brauch wird zudem mit Lukas 21; 29-31 in Verbindung gebracht, wonach das Austreiben der Bäume das Nahen des Reiches Gottes ankündigt.

 

 

4.2 Barbaraweizen

Nehmen Sie einen tiefen Teller, füllen ihn mit etwas Erde und stellen eine große Kerze in die Mitte. Dann säen Sie einfach Weizenkörner (gibt es in jedem dm-Markt) auf die Erde und stellen den Teller vor das Fenster. Bis zum Weihnachtsfest werden Sie einen dichten grünen Flor heranwachsen sehen – bloß darf  man die Erde nicht austrocknen lassen! Natürlich ist auch dieser Brauch ein Orakelbrauch, sollte er doch gute Ernten im neuen Jahr vorhersagen, aber wie bei den Barbarazweigen ist auch die christliche Botschaft klar: das Grünen der Hoffnung in dunkler Zeit. Und zu Weihnachten wird dann die Kerze entzündet: als Symbol für Christus, das Licht der Welt, das nun erschienen ist.

Unser Tip: wählen Sie eine große Kerze. Man glaubt nicht, wie hoch der Weizen bis zum Weihnachtsfest wächst!

                                                                                                         Schon nach ein paar Tagen: „Es grünet die Hoffnung“.



                                                                                                       Am Weihnachtsfest: „Das Licht der Welt ist endlich da.“

 

Übrigens: seien Sie nicht irritiert, wenn Barbarazweige schon mal als „Andreaszweige“ oder „Lucienzweige“ und Barbaraweizen als „Lucienweizen“ bezeichnet werden. Manche wählen nicht den Barbaratag am 4. Dezember, sondern den 30. November (Andreas) oder den 13. Dezember (Lucia). Beide Heilige sind überdies ebenfalls Schutzpatrone des Bergmannes – warum, das erfahren Sie in unserem Artikel „Eine starke Truppe“ im Punkt „Tradition“.  

 

4.3 Barbaralichte

In vielen Bergwerken nahmen die Bergleute am Barbaratag eine Kerze oder ein Talglicht mit nach untertage. Dort entzündeten sie es zu Ehren ihrer Heiligen und ließen es die ganze Schicht brennen. Wie wäre es, an diese Tradition anzuknüpfen?


Laden Sie sich einfach dieses Schlägel- und Eisensymbol herunter, oder nehmen Sie irgendeine andere Abbildung aus dem Internet. Achten Sie nur darauf, daß die Stiele von Schlägel und Eisen dick genug sind. Legen Sie Abbildung auf ein kleines Wachsplättchen. Es gibt sie in jedem Bastelgeschäft in verschiedenen Farben zum Kerzenverzieren (wir haben gerade einmal 0,90 Euro bezahlt). Dann mit einem Bastelmesser oder Cuttermesser die Konturen ausschneiden. Nehmen Sie eine Stumpenkerze, reiben Sie die Stelle, auf die Sie Schlägel und Eisen anbringen wollen, ein wenig warm mit der Hand, dann haftet die Verzierung besser. Und fertig ist Ihr Barbaralicht!

 

Überlegen Sie doch, wem Sie in der Adventszeit ein solches Barbaralicht schenken können: als kleine vorweihnachtliche Freude, als Anerkennung, als „Dankeschön“ oder eben auch zur Erinnerung an unsere Bergleute. Auch in einem Verein, einer Schule, einem Kindergarten oder in einer Pfarrgemeinde sind diese Lichte ein schönes Geschenk.

 

Und wenn der Beschenkte Sie fragt, was „Schlägel und Eisen“ denn nun eigentlich sind, dann können Sie ihm jetzt natürlich antworten! Es handelt sich um das bergmännische Werkzeug schlechthin, das der Bergmann nicht nur über Jahrhunderte, sondern über Jahrtausende verwendete. Der „Schlägel“ ist ein schwerer Hammer, und das „Eisen“ ist der dazugehörige Meißel, den man auf einen Holzstiel steckte, damit man sich beim Schlagen nicht die Hand verletzte. Die Meißelspitze wurde schnell stumpf, so daß der Bergmann pro Schicht mindestens drei von ihnen mit sich führte und sie dann auswechseln konnte. Stets legte der Bergmann Schlägel und Eisen in der christlichen X-Form des Andreaskreuzes zusammen. Wie wir ja bereits wissen, ist der Hl. Andreas ebenfalls ein Bergbaupatron.

 

Besonders gefällt uns der Brauch, der an der Mozart-Volksschule in Elsenfeld (am Untermain) gepflegt wird und den man zur Nachahmung nur empfehlen kann. Dort bedanken sich die Grundschüler des Ortes bei den Hauptschülern, die als Schülerlotsen das ganze Jahr für einen sicheren Schulweg sorgen. Und was überbringen sie ihnen als Dank? Natürlich Barbaralichte! Und das umrahmt von einem Barbaraspiel! Ganz in der Nähe liegt das Tonbergwerk Klingenberg, das die Schüler oft besuchen. (Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Rektor Harald Frankenberger von der Georg-Keimel-Hauptschule und bei Frau Rektorin Ingrid Vogel von der Mozart-Volksschule in Elsenfeld für ihre freundliche Hilfe!)



Die kleinen „Bergleute“ in Elsenfeld.

(Photo: Georg Keimel Schule)

 

4.4 Barbaraturm

Hier gibt es einen Barbaraturm zum Herunterladen. Drucken Sie ihn einfach auf ein Blatt kräftiges Kartonpapier, kleben Sie buntes Transparentpapier hinter die Fenster und stellen Sie ein kleines Licht hinein. Übrigens ist diese Seite des Tiroler Vereins pro-christkind, dem wir die Vorlage entnehmen, höchst empfehlenswert. Die Aktiven um den jungen Innsbrucker Christoph Tschaikner „entrummeln“ den Weihnachtsrummel und führen den Leser auf das Wesentliche des Weihnachtsgeschehens zurück.


>LINK : http://pro-christkind.net/uploads/barbara.pdf


 

4.5 Barbaragulasch mit Polentanockerln

Unserer österreichischen Leserin Barbara(!) Wieser verdanken wir dieses Rezept für ein Gulasch, das traditionell am 4. Dezember in den alten Bergbauregionen nach der Barbarafeier auf den Tisch kommt.

 

Zutaten für das Gulasch:

600 g Schinkengulasch

300 g Zwiebeln

80 g Fett

1 Eßlöffel edelsüßen Paprika

Kümmel, Majoran, Knoblauch, Mehl

 

Zutaten für die Polentanockerln:

250 g Polentagrieß

2 Eier

1 l Wasser, etwas Salz, evtl. Speck, etwas gehackte Zwiebeln, Parmesan

 

Zwiebeln fein hacken, in heißem Fett rösten,  Paprika hinzugeben und mit Wasser aufgießen. Dann das gewürfelte Gulasch mit den Gewürzen hinzugeben, weichdünsten und mit Mehl bestäuben und den Sud eindicken.

Polentagrieß mit dem Schneebesen in 1 l kochendes Salzwasser einrühren, bei geringer Hitze ca. 10-15 Minuten quellen lassen. Immer wieder umrühren, damit er nicht am Boden festbackt. Die Masse erkalten lassen, dann zwei Eier unterrühren und mit einer Gabel durchkneten. Am besten mit zwei Löffeln kleine(!) Nockerln, also „Klößchen“ formen. Man kann die Masse aber auch auf eine Platte streichen und mit einem Messer in kleine Rautenstücke schneiden. Kurz im Backofen bei Oberhitze antrocknen lassen. Dann in einer heißen Pfanne braten. Besser schmecken die Nockerln noch, wenn man gebratenen Speck und Zwiebelstücke oder Parmesankäse darübergibt oder sie mit Kräutern wie Petersilie garniert. 

 

4.6 Barbarabier und Barbarawein

Zum Barbaragulasch wird übrigens ein speziell zu Ehren der Hl. Barbara gebrautes Bier gereicht. In Österreich braut es z.B. die Brauerei Gösser eigens für den 4. Dezember. Aber auch in der Bundesrepublik Deutschland gibt es Barbarabier. Ein besonders empfehlenswertes kommt von der kleinen Privatbrauerei Walter-Bräu in Wesel-Büderich am Niederrhein >LINK: http://www.walterbrau.de/

Und ein sehr hochwertiger Barbarawein, „Cuvee St.Barbara“, wird vom Weingut des Erzbergwerkes Gonzen in Sargans/Schweiz angeboten.


 

4.7 Barbaramarsch

                                                                                                   „Glückauf der Steiger kommt…um 3 Uhr nachts“.


Erst seit 1996 gibt es in Bad Ems an der Lahn den ersten Bergmännischen Barbaramarsch, der zeigt, daß sich auch heute noch bergmännisches Brauchtum neu schaffen läßt. Jedes Jahr wird ein anderes historisches Bergmannsdorf als Ausgangspunkt gewählt, von dem die Teilnehmer sich nachts um drei Uhr aufmachen, um im Lichtschein bergmännischen Geleuchts (=Grubenlampen) den Weg der Bergleute zur Schicht nachzustellen und nachzuempfinden. In forschem Schritt geht es in der Nacht zum 4. Dezember, dem Barbaratag, hinunter nach Bad Ems, wo die Teilnehmer dann im Morgengrauen – ein zugegebenermaßen angenehmes Zugeständnis an die Moderne – nicht ein langer harter Arbeitstag, sondern ein zünftiges Frühstück in einem Gasthaus erwartet.

Marschiert wird übrigens bei Wind und Wetter, denn wie die Teilnehmer nicht ohne Stolz sagen: „Unsere Altvorderen konnten sich das Wetter auch nicht aussuchen.“ Und so ging es am 4. Dezember 2010 eben bei -13 Grad in Schnee und Eis gen Tal.

Nun hat vielleicht nicht jedermann die Möglichkeit, in der Nacht zum 4. Dezember nach Bad Ems zu fahren. Was liegt also näher, als etwas ähnliches auch in anderen traditionellen Bergbauorten (und wo hat es keinen Bergbau gegeben?) zu veranstalten? Eine solche Wanderung wäre natürlich auch bei Tag möglich, und man müßte auch nicht unbedingt den Weg zur Schicht nachstellen. Eine Brotzeit wie in Bad Ems, ein Bergmannsliedersingen oder eine kurze Barbaraandacht könnten einen solchen Barbaramarsch auch und gerade für Nicht-Bergleute zu einem Erlebnis werden lassen. Sicherlich gibt es in Ihrer Heimatgemeinde Einzelpersonen, Vereine, vielleicht auch Schulen oder die Kirchen, die Sie ansprechen könnten. Versuchen Sie es doch einfach mal!

LINK: http://www.emser-bergbaumuseum.de/html/barbaramarsch.html?nr=8&unr=4&eTyp=n&lan=de

 

5. ALLERSEELEN UND TOTENSONNTAG

Am katholischen Fest Allerseelen am 2. November und am evangelischen Totensonntag am letzten Sonntag vor dem Ersten Advent gedenken wir unserer Verstorbenen. Wir bitten Sie um Ihr Gedenken und Ihr Gebet an diesen Tagen auch für die Bergleute weltweit, die im zurückliegenden Jahr bei ihrer schweren und verantwortungsvollen Arbeit tödlich verunglückt sind.



Unser Bild zeigt das Bergmannsdenkmal mit dutzenden von Bergmannsgräbern auf dem Alsdorfer Nordfriedhof. Bei der schwersten Schlagwetterexplosion im Aachener Revier starben 1930 auf der Alsdorfer Grube Anna 271 Menschen.

 

Wolfgang Schubert und seine Kameraden des Bergwerks Minister Achenbach in Lünen haben auf  der Website von Minister Achenbach eine Fülle von Photographien von Bergmannsdenkmalen und Bergmannsgrabmalen zusammengetragen. Auch wenn der Grund für die Errichtung eines solchen Males stets ein trauriger war, so dürfen wir doch froh sein, daß so viele erhalten geblieben sind.

 

Vielleicht ist Ihnen ein solches Denkmal auch in Ihrer Heimatgemeinde bekannt, oder Sie schauen mal auf der Seite von Minister Achenbach nach. Nutzen Sie doch diese Tage im November, um es zu besuchen, ein paar Blumen niederzulegen oder eine Kerze zu entzünden. Vielleicht haben Sie ja auch eine Grubenlampe, die Sie mitnehmen können, und wenn Sie in einer Gruppe hingehen, dann singen Sie dort doch einfach ein Bergmannslied!

 

Diese Männer, die oft in ganz jungen Jahren ihr Leben gaben, haben es wirklich verdient, daß wir sie nicht vergessen.

 

LINK: http://www.minister-achenbach.de/grubenungluecke.html

Wir machen Sie zudem empfehlend auf das Heft „HELDEN IM ZEICHEN VON SCHLÄGEL UND EISEN“ aufmerksam, das sich mit diesen Erinnerungsmalen befaßt. Es ist herausgegeben vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, erschienen im Klartext-Verlag und ist im Buchhandel für 5,20 Euro erhältlich.


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6. St. NIKOLAUS – FREUND DER KINDER…UND DER BERGLEUTE!

Bei seinem oft lebensgefährlichen Beruf konnte der Bergmann den Beistand eines jeden guten Freundes brauchen, und so war es nicht nur die Hl. Barbara, die ihm zu Hilfe kam, sondern auch St. Nikolaus (und nicht etwa – igitt – der „Weihnachtsmann“!). Dieser historisch belegte Bischof von Myra soll der Legende nach ein Schiff aus Seenot gerettet und die tosenden Wogen geglättet haben. Aufgrund seiner so nachdrücklich unter Beweis gestellten Macht über das gefährliche Element Wasser wurde er nicht nur weltweit zum Patron der Seeleute, sondern auch zum Schutzheiligen der Bergleute. Denn auch für sie war eindringendes Wasser oft  lebensgefährlich, und so mancher Bergmann ist untertage bei seiner Arbeit ertrunken, wenn große Wassermassen plötzlich in die Grube strömten.

Übrigens: hier sehen wir den Geschäftsführer des Fördervereins Schacht 3, Rainer Appelt. Er stellt für die Hückelhovener Kinder im Kindergarten schon seit Jahren den Heiligen so dar, wie er wirklich war: milde und gütig.

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7.   ST. MARTIN

Auch der Hl. Martin hat im Bergbau eine Rolle gespielt und das gleich in mehrfacher Weise. Als Patron der Schmiede sorgte er auch für die Bergleute und Hüttenleute, die ja mit Erzen und mit Feuer zu tun hatten. Als Patron der Gefangenen war er natürlich auch den Bergleuten nahe, die sich in den beklemmend engen Grubenbauen und in den niedrigen Stollen und Strecken wie in einem Verlies gefangen vorkamen. Und als Patron der Reisenden begleitete er die Bergleute auf  dem mitunter stundenlangen Weg zur Grube, auf der gefährlichen Fahrt in den Schacht und auf dem Weg untertage zum Arbeitsplatz.

 

Warum also nicht am Martinstag und beim Martinsumzug mit einer Laterne daran erinnern? Wäre eine solche Martinslaterne mit Schlägel und Eisen nicht eine gute Idee?



Kinder beim Martinsumzug im Stollen der Zeche Nachtigall in Witten

(Photo: LWL-Zeche Nachtigall)

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8.   VOLKSTRAUERTAG

Am Volkstrauertag gedenken wir auch der unzähligen Bergleute unseres Volkes, die über die Jahrhunderte ins Feld zogen und ihr Leben für unser Land gaben.


Auf unserem Bild sehen wir die Knappen des bergmännischen „Traditionsvereins Mansfelder Pionierbataillon“ am Volkstrauertag in Helbra (Sachsen-Anhalt). Diese Knappen führen die Tradition einer einzigartigen Truppe weiter: das „Königlich Preußische Mansfelder Pionierbataillon“ wurde 1813 in den Befreiungskriegen gegen Napoleon mit einer Stärke von 800 Mann aufgestellt, und es setzte sich ausschließlich (!) aus Bergleuten zusammen. Es waren gerade ihre bergmännischen Tugenden, die sie zu so guten Soldaten machten: ihre enge Kameradschaft, ihre Disziplin und nicht zuletzt ihre im Bergbau erworbenen technischen Fähigkeiten. Sie konnten untertage Stellungen graben und bergmännisch ausbauen. Da sie gewöhnt waren, mit Holz zu arbeiten, konnten sie aber auch  Palisaden und Behelfsbrücken errichten. Sie verstanden es zudem, mit Feuer und Sprengstoff umzugehen und trieben Stollen unter feindliche Festungen und Stellungen. Die Bergleute zogen im Bergkittel, mit Arschleder und mit Schachthut (mit Schlägel und Eisen-Emblem) ins Feld. Nach der Schlacht von Waterloo verblieben manche von ihnen in der Armee und schufen so die Grundlage für die heutige Pioniertruppe, deren Schutzpatronin nicht ohne Grund ebenfalls die Bergmannsheilige, die Hl. Barbara, ist. (Wir danken Herrn Hauptmann i.Tr. Mario Retzer vom Traditionsverein Mansfelder Pionierbataillon für seine Hilfe.)