JENSEITS DER EIGENEN HALDE

 

So gerne wir uns beim Förderverein Schacht 3 mit unserem eigenen Bergwerk beschäftigen, so sehr wollen wir doch auch über den eigenen Tellerrand schauen oder - um es „bergmännisch“ auszudrücken - schauen, was jenseits der eigenen Halde liegt. So wollen wir in loser Folge über Bemerkenswertes und Empfehlenswertes berichten, zum Beispiel über:

 

- Tonträger mit Bergmannsmusik;

- interessante Bergbaubücher;

- Musikvideos mit Bergbauliedern;

- Besucherbergwerke mit überzeugendem Konzept;

- tatkräftige, engagierte Bergbauvereine.

 

Wenn Sie, liebe Leser, weitere Anregungen haben, so schreiben Sie uns doch bitte.

 

                            

                                                                                                                                  „Ein guter Stern steht über Schacht 3“

 

 

                                   
„Jenseits der eigenen Halde“ - das meinen wir auch durchaus wörtlich. Die auf unserem Bild zu sehende sogenannte „Millicher Halde“ liegt zwischen Schacht 3 und dem Dorf Millich, und in Millich lebt auch die Künstlerin Bernadette Schmitt, der wir dieses reizende Aquarell verdanken.

 

Es zeigt Hückelhoven zum Dreikönigsfest: die Sternsinger ziehen frohgemut durch eine jener alten, aus den 20er Jahren stammenden Bergmannssiedlungen, wo sie gerade für die Bewohner gesungen haben und den Segenswunsch Christus+Mansionem+Benedicat (Christus segne dieses Haus) über den Türen angebracht haben. In ihren Beuteln und Rucksäcken werden sich Leckereien befinden, die man ihnen zugesteckt hat. Bernadette Schmitt malt mit großer Liebe zum Detail – bis hin zu der heute schon nostalgisch anmutenden Blechmülltonne.

 

Am Himmel stehen schon die Mondsichel und die ersten Sterne, und über den Schornsteinen kräuselt sich der Rauch aus den Kohleöfen, die mit Deputatkohle von Sophia-Jacoba beheizt werden. Ein türkisches Mädchen kehrt vom Einkauf zurück, neugierig beäugt von einer vorwitzigen Katze, die sich für den Inhalt der Einkaufstasche interessiert. Die Wohnungen sind mit Krippe, Weihnachtsbaum und Strohsternen geschmückt, und hinter den hellerleuchteten Fenstern winken fröhliche Menschen den Sternsingern nach.

 

Und im Hintergrund steht der Weihnachtsstern über dem Wahrzeichen unserer Heimat: Schacht 3.

 

Bernadette Schmitt gestaltet die alljährlich herauskommenden „Hückelhovener Weihnachtstassen“, und dieses Motiv ziert den Becher 2009, der noch beim Hückelhovener Stadtmarketing/Kulturamt zum Preis von 6.50 Euro erhältlich ist. Karten mit diesem Motiv sind aber auch, nebst weiteren Grußkarten bei der Künstlerin erhältlich:

Link: http://www.bernadettes.graphic-art.de/

 

Wir danken Frau Schmitt, daß wir ihr Bild hier reproduzieren dürfen.

 

  1. Besucherbergwerke
  2. Musikvideos
  3. Tonträger
  4. Bücher
  5. Filme
  6. Bergmannssagen
  7. Vereine

 

 

1. BESUCHERBERGWERKE

 1.1 DER FEGGENDORFER STOLLEN



Selbst wenn bei uns an Schacht 3 wesentliche Tagesanlagen noch standen, so hat unsere Belegschaft oft genug das Gefühl gehabt, „bei Null“ anzufangen.

Doch, was die gut zwei Dutzend Aktiven des historischen Feggendorfer Stollens, einem Steinkohlebergwerk, seit einigen Jahren leisten, ist unglaublich: sie haben gewissermaßen „im Minusbereich“ angefangen und ein schon vor Jahrzehnten komplett eingestürztes Stollenbergwerk im niedersächsischen Lauenau-Feggendorf völlig neu aufgemacht. Als sie begannen, war gerade noch das Stollenmundloch (=Stolleneingang) zu erahnen. Einige Jahre und ungezählte Arbeitsstunden später ist hier ein gleichermaßen neues wie historisches Bergwerk entstanden: der Feggendorfer Stollen stammt in seinen Anfängen immerhin aus dem Jahre 1831!

 

Allein für die ersten zehn Meter mußten über 670 (!) Schubkarren Geröll mit der Hand beladen und hinausgefahren werden. Manch anderer hätte da schon entmutigt aufgegeben, nicht aber die Männer und Frauen um den jungen, engagierten Betriebsführer Florian Garbe! Gerade einmal in seinen späten Zwanzigern, ist Florian Garbe einer der wenigen ausgebildeten Bergleute, während die meisten anderen Aktiven reine „Freizeitbergleute“ sind, was ihre Leistung noch bemerkenswerter macht.

 

Dem historischen Stollenverlauf folgend, haben die Feggendorfer Bergleute ein neues Bergwerk geschaffen und das mit einer bewundernswerten Liebe zum authentischen Detail: in einer eigens eingerichteten Bergschmiede, die mit Kohle aus dem Stollen befeuert wird, werden sogar noch die Schienennägel mit der Hand geschmiedet!

 

Damit der Stollen nicht nur untertage wieder ein richtiges Bergwerk wird, haben die Feggendorfer Bergleute jetzt begonnen, übertage ein neues Zechenhaus zu errichten.

 

Einen guten Eindruck von den Leistungen der Truppe vermitteln einige Videos auf Youtube und eine beim Feggendorfer Stollen erhältliche DVD. Mit kopfschüttelndem Staunen verfolgt der Zuschauer, was Phantasie, Fleiß und Freude an der Arbeit bewirken können.

 

Überzeugend ist auch das Konzept: es geht Garbe und seinen Mitstreitern nicht darum, ein steriles, saubergefegtes und museal ausgeleuchtetes Besucherbergwerk zu schaffen, sondern eine lebende Grube, mitsamt tropfendem Wasser und Dreck, das von den Besuchern nicht „besichtigt“, sondern im Betrieb „erlebt“ wird.

Die in ihrer Mehrheit jungen Aktiven nennen sich mit Stolz (und mit Recht!) „Bergleute“ und ihren Stollen das

                            „Steinkohlenbergwerk Feggendorfer Stollen“.

LINK:  www.feggendorfer-stolln.de

 

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2. MUSIKVIDEOS

Der deutsche Bergmannsstand hat über die Jahrhunderte mehr als 2000 (!) Lieder hervorgebracht, und die Sangesfreude der Bergleute ist geradezu legendär:

 

                            „Schweigt der Bauer, so singt der Hauer“,

 

heißt ein alter Bergmannsspruch. Doch wo sind die zeitgenössischen Lieder über den Bergbau? Man muß schon ein bißchen suchen, doch wir sind für Sie fündig geworden.


Dieser Notenschlüssel aus Glas mit einer Achatscheibe stammt übrigens von dem Erkelenzer Glaskünstler Toni Hilgers, der bis zur Stillegung junge Bergleute an der Bergberufsschule Sophia-Jacoba unterrichtete.

 

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2.1 RUDY CASH: „TAUSEND FEUER SIND ERLOSCHEN“

Warum ist einem Herbert Grönemeyer nie ein solches Lied zum Thema „Ruhrgebiet und Bergbau“ eingefallen? Dann wären uns Zeilen wie „Bochum, ich komm aus Dir“ erspart geblieben. „Tausend Feuer sind erloschen“ stammt aus der Feder des Esseners Rudy Cash, und Cash weiß haargenau, wovon er spricht, hat er doch selber jahrzehntelang untertage gearbeitet. Natürlich kann und will auch Cash seine Wehmut nicht verbergen angesichts des mutwillig herbeigeführten Niedergangs des Bergbaus. Aber niemals rutscht er in die Weinerlichkeit ab. Der Text ist sprachlich stimmig und inhaltlich überzeugend. Man kann Cash wirklich nicht vorwerfen zu überzeichnen. Wenn er singt „…wo Gras und Blumen blühen, war einmal ein Schacht“, dann weiß er natürlich, daß die Wirklichkeit viel trostloser ist. Dort, wo sich prächtige Fördertürme und kunstvoll gemauerte Ziegelbauten erhoben, stehen heute gesichtslose Gewerbegebiete, monotone Einkaufszentren und triste Neubauviertel.

 

Zudem ist es Cash gelungen, eine Melodie zu komponieren, an der man sich nicht satthört und die im Angloamerikanischen zur zeitlosen Folk Music gerechnet würde.

 

Der Gladbecker Medienkünstler Wolfgang Kariger hat dieses Lied gleich zwei Mal eindrucksstark in Szene gesetzt, einmal mit Untertageaufnahmen und hier im historischen

Maschinenhaus der Zeche Consolidation. Hören Sie es sich einmal an, es lohnt sich!

Link:  http://www.youtube.com/watch?v=seGPtoeFlEQ

 

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2.2 BENNO BRUDERMANNS: „DER MOND ÜBER HÜCKELHOVEN“


Es muß ein trüber, ein fahler Mond gewesen sein, der damals über Hückelhoven stand: es waren die bleiernen Jahre vom Stillegungsbeschluß 1991 bis zur letzten Schicht 1997, in denen Sophia-Jacoba einen langsamen Tod starb. Damals schrieb Benno Brudermanns „Der Mond über Hückelhoven“, und es gelang ihm ein Lied, das bemerkenswert nüchtern und gerade deswegen so überzeugend ist. Völlig unpathetisch und ohne Selbstmitleid fing es jene Stimmung ein, die zwischen Trotz und Resignation, zwischen Wut und Anpassung schwankte.

 

Benno Brudermanns wird von Stephan Hilbig am Baß und von einem glänzenden Olaf Nelis an der spanischen Gitarre begleitet.

 

Das Musikvideo verzichtet mit Absicht auf jede nennenswerte filmische Gestaltung, sondern zeigt in grobkörnigen Sepiabildern lediglich das Gesicht des Sängers, das kaum eine mimische Regung verrät. Brudermanns ist im Zivilberuf EDV-Experte einer international tätigen Steuerberatungskanzlei, doch man nimmt ihm den ironischen und illusionslosen Bergmann sofort ab. Diese lakonische Interpretation verleiht dem Lied seine Eindringlichkeit. Gut, daß es über ein Jahrzehnt nach der Schließung von Sophia-Jacoba wieder zugänglich ist.


Link: http://www.youtube.com/watch?v=hOzdbhH90Lo


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2.3 REINHARD MEY: „IM BERG“

In den 80er Jahren machte Reinhard Mey eine Grubenfahrt mit seinem Schwager, einem Bergmann. Was er dabei sah, hinterließ einen so starken Eindruck bei ihm, daß er sich zwei Dinge vornahm: sich fortan nicht mehr über jede Lappalie aufzuregen - und eben ein Lied über das Bergmannsleben zu schreiben. So entstand „Im Berg“.

 

Mey glorifiziert nicht und meidet die sonst üblichen Kumpel- und Glückauf-Klischees. Vielmehr beobachtet er präzise und zeichnet ein realistisches Bild vom Bergmannsalltag. Die letzte Strophe zeigt, was ihn besonders fasziniert: die existenzielle Liebe des Bergmannes zu seinem Beruf.

 

Kein Lied zum Mitsingen oder Mitsummen, eher eine Erzählung, bei der die Musik den rundum gelungenen Text umrahmt.

Link:  http://http://www.youtube.com/watch?v=wblyyhjF6SM

 

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2.4 CARBOON: „LEEF IS MIE LAND”

Nur einige Kilometer westlich von Sophia-Jacoba wurde in den 70er Jahren innerhalb kürzester Zeit ein ganzes Bergbaurevier buchstäblich „plattgemacht“. Heute erinnert so gut wie nichts mehr an die zwölf so stolzen Gruben in Niederländisch-Limburg. Damals, als mit Oranje-Nassau auch die letzte Grube geschlossen wurde, schrieb die Heerlener Gruppe „Carboon“ jenes Lied, das bis heute zu den beliebtesten Liedern in Limburg gehört.

 

„Leef is mie Land“ ist eine anrührende, aber nicht rührselige Liebeserklärung an Limburg: an ein Land, das über ein Jahrhundert vom Bergbau geprägt wurde. Geschrieben ist es nicht in Hochniederländisch, sondern in dem niederdeutschen Dialekt, der den Menschen beiderseits der Grenze traditionell eigen ist. Den Text finden Sie direkt unter dem Video.

 

Der Refrain hat hymnischen Charakter und wurde von dem Brunssumer Blasorchester „Fanfare St. Barbara“ eingespielt, das in seiner Interpretation an die Bergkapellen erinnert, die mit den Gruben untergingen.

 

Ein Lied, das man so schnell nicht mehr vergißt!

LINK:   http://www.youtube.com/watch?v=D75ZieJskB8

 

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2.5 „IN KANADA SIND SIE WELTBERUHMT“: DIE MEN OF THE DEEPS

 


Nein, mit deutschen Knappenchören oder Bergsängern sind sie nicht zu vergleichen – und zum Glück schon gar nicht mit treudeutschen Männergesangvereinen. Die Men of the Deeps sind der einzige Bergmannschor auf dem nordamerikanischen Kontinent, und in Kanada kennt sie wirklich jedes Kind. Die „Männer aus den Tiefen“ kommen von der Halbinsel Cape Breton, dem Kohlerevier der kanadischen Atlantikprovinz Nova Scotia. Sie sind echte Bergleute und somit reine Freizeitsänger, mit Ausnahme ihres langjährigen Leiters, des emeritierten Musikprofessors John C. O`Donnell, der die Sänger zu einer beeindruckenden mannschaftlichen Geschlossenheit geführt hat. Stilistisch bewegen sich die Men of the Deeps zwischen Folk Music und einer allerdings nicht seichten Populärmusik mit Country-Einflüssen. Stets haben sie ihr Augenmerk darauf gelegt, Lieder von Künstlern ihrer Heimat Cape Breton zu singen. Wie sehr der Chor in Kanada geschätzt wird, wurde im Jahr 2000 deutlich, als das University College of Cape Breton den Men of the Deeps kollektiv (!) den Ehrendoktortitel verlieh.

 

Leider waren die Men of the Deeps bisher nur ein einziges Mal in Europa zu hören, und so verweisen wir hier auf gleich drei ihrer Musikvideos.

 

Ein Ausschnitt aus dem 1978 gedrehten Dokumentarfilm „Canada Vignettes“ zeigt sie mit einem neuen (!) Folk Song über die Geschichte des Kohlebergbaus in Nova Scotia.

LINK:   http://www.youtube.com/watch?v=PjJNJJJiHso

 

„A Miner and a Miner`s Son“, aufgenommen bei einem Konzert in einer stillgelegten Grube in der Provinz British Columbia, erzählt von jenen Bergleuten, die unter dem Meeresboden(!) Kohle fördern. Das Lied ist ein absoluter „Ohrwurm“.

LINK:   http://www.youtube.com/watch?v=5Oh7Y8upKpY

 

„Working Man“ ist so etwas wie die inoffizielle Hymne der nordamerikanischen Bergleute, geschrieben von der in Kanada sehr populären Sängerin Rita MacNeil. Viele Künstler haben dieses Lied in ihrem Repertoire, aber wenn man diesen Ausschnitt aus einem Konzert der Men of the Deeps mit dem Cape Breton Chamber Orchestra unter Laura Mercer sieht, dann versteht man Rita MacNeil, die einmal sagte, niemand – nicht einmal sie selbst – könne dieses Lied so singen wie die Men of the Deeps. Gegen Ende des Konzertes wird der Saal abgedunkelt und nur noch von den Kopflampen der Sänger erhellt.

 

Der Solist ist der Bergmann Nipper MacLeod, und man kann verstehen, wie stolz jener junge Zuschauer sein muß, wenn er unter dem Video kommentiert: „Der das Solo singt: das ist mein Onkel!“

http://www.youtube.com/watch?v=OvOTCnmA5-4

 

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2.6 THE WILSON FAMILY: „A MINER`S LIFE“

Seit über drei Jahrzehnten sind sie eine der führenden a-capella Gruppen der britischen Folk Music-Szene: die Wilson Family („Wir sind alle Brüder – nur nicht Pat, das ist unsere Schwester“), die aus Billingham in der Grafschaft Durham stammen, einer traditionellen

Bergbaugegend Großbritanniens. „A Miner`s Life“ ist ein kämpferisches Bergmanns- und Gewerkschaftslied aus Wales, das auf den Sliding Scales Streik im Jahre 1898 Bezug nimmt, als die Grubeneigner versuchten, bei fallenden Kohlepreisen auch die Löhne zu kürzen. Und so fordert der Refrain, bei dem das Publikum beim Shrewsbury Folk Festival mit einstimmt, die Bergleute eben auch auf, „die Lohntüte fest in der Hand zu halten“.

Kraftvoller, mehrstimmiger Gesang - könnte man doch nur selbst einmal so singen!

LINK:    http://www.youtube.com/watch?v=pNyYCtCp_UM

 

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2.7 RYAN’S FANCY: BLACKLEG MINER

Traditionelle deutsche Bergmannslieder zeugen vom Standesbewußtsein der Bergleute. Traditionelle englische und amerikanische Lieder spiegeln dagegen häufiger die harte Seite des Bergmannsleben wider, so auch dieses bekannte alte Bergmannslied aus Northumberland. „Blackleg Miner“ (blackleg = Streikbrecher) ist eine Kampfansage an die „Kameradenschweine“ aus den Reihen der Bergleute, die bei einem Streik die eigenen Kameraden im Stich lassen und sich stattdessen von den ausbeuterischen Grubenbesitzern kaufen lassen. Gesungen wird es hier von Ryan’s Fancy, einer Folkgruppe aus der kanadischen Provinz Neufundland. Und dennoch: so ein wenig Mitleid hat man schon mit dem Blackleg Miner. Was wird ihm hier nicht so alles angedroht: ihm, der ohnehin nur noch im Schutze der Dunkelheit aus seiner Behausung kriechen kann. Man lauert ihm auf und jagt ihn um die Halden, schmiert ihm zur Demütigung Dreck ins Gesicht, geht ihm an die Gurgel und verdrischt ihn. Aber am allerschlimmsten: keine Frau im Dorf schaut ihn mehr an! Ein schönes Lied!
http://www.youtube.com/watch?v=z98gVWxXVeM

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2.8 THE DECEMBERISTS: “ROX IN A BOX”

Schon lange hatte Colin Meloy, der Sänger der aus Oregon stammenden Band The Decemberists an einem Musikprojekt über den Kupferbergbau in Butte (Montana) gearbeitet: ROX IN A BOX ist ein Produkt dieser Arbeit und ist auf dem von der Kritik mit viel Lob bedachten Album „The King is dead“ zu hören, das im Januar 2011 erschien. Der etwas kryptische Text nimmt u.a. Bezug auf das Granite Mountain Mine Unglück im Jahre 1917 und zeichnet ein wenig romantisches Bild der damaligen Arbeitsbedingungen: „Hier sind noch so viele Männer, die sterben werden. Also drängele dich mal nicht vor.“

 

Meloy hat eine eingängige und schnörkellose Melodie komponiert, die schon nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Ohr geht. Die traditionelle Instrumentierung mit Fiedel, Mandoline und Akkordeon macht aus diesem Lied einen klassischen Folk Song, den die Band hier bereits 2009 auf dem Newport Folk Festival vorstellte.

LINK:http://www.youtube.com/watch?v=W8Oh-YApoDA


 

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2.9 GRIMETHORPE COLLIERY BAND: „GRESFORD“

Wohl kaum ein Bergwerksunglück hat sich so in das Kollektivbewußtsein in Großbritannien eingebrannt wie diese Katastrophe: am 22. September 1934, einem Freitag, starben in Gresford, unweit Wrexham in Wales, 256 Bergleute bei einer Schlagwetterexplosion. Die Explosion und der anschließende Grubenbrand waren so heftig, daß Rettungsmannschaften nicht einfahren konnten und dieser Teil der Grube später versiegelt wurde. Die Toten wurden nie mehr geborgen.

 

Diese ergreifende Weise ist in ganz Großbritannien als „Miners` Hymn“, also als der britische Bergmannschoral schlechthin bekannt. Hier erklingt Gresford vor der Kulisse einer stillgelegten Grube, gespielt von der wohl bekanntesten britischen Bergkapelle: der Grimethorpe Colliery Band, die auch international Bekanntheit erlangte, da sie den Soundtrack des Filmes „Brassed Off“ einspielte.

LINK:   http://www.youtube.com/watch?v=w6nS8aqA0Hc

 

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3. TONTRÄGER

 

Nach unseren Recherchen dürfte es derzeit im deutschen Sprachraum über 100 Kapellen geben, die aus dem Montanwesen stammen und die ihre Traditionsverbundenheit z.B. dadurch zeigen, daß sie sich Bergkapelle oder Knappenkapelle nennen oder den Bergkittel tragen. Diese Kapellen spielen durchweg auf sehr hohem musikalischem Niveau und haben, so scheint es, keine ernsthaften Nachwuchssorgen. Die große Zahl junger Gesichter, die einem auf den Photos entgegenstrahlen, ist doch sehr erfreulich. Eine ganze Reihe dieser Bergkapellen haben auch Tonträger vorgelegt, von denen wir hier einige besonders originelle vorstellen wollen.

 

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3.1 BERGKAPELLE BINDWEIDE


Der Bergmann hat stets eine besonders tiefe Frömmigkeit besessen. Eine Gemeinschaft, die sich dieser bergmännischen Tradition besonders nahe weiß, ist die Bergkapelle Bindweide aus dem Westerwald, die ununterbrochen seit 1876 existiert und damit deutlich älter ist als der gesamte Bergbau in Hückelhoven! Im Jahr 2011 kann sie ihr 135jähriges Bestehen feiern. Wer sie einmal auf ihrer Wallfahrt, bei der Fronleichnamsprozession, bei der traditionellen „Weihnachtsschicht“ in Hommelsberg oder bei der „Hirtenmesse“ erlebt hat, der weiß, daß dies für die erfreulich jungen Musiker keine nostalgisch-folkloristischen Veranstaltungen sind, was sie auch mit ihrer CD-Veröffentlichung „MARIENLIEDER ZUR WALLFAHRT“ eindrucksvoll unter Beweis stellen.

 

Unter dem Dirigat des jungen Sven Hellinghausen spielt die Bergkapelle Bindweide 14 Marienlieder und zwei Instrumentalstücke. Es war eine gute Idee, diese Aufnahme nicht unter den sterilen Bedingungen eines Tonstudios oder in der musealen Atmosphäre eines Konzertsaales einzuspielen. Es handelt sich vielmehr um „Livemitschnitte“ von der Jahreswallfahrt der Bergkapelle (mit dem deutlich vernehmbaren Gesang der Gemeinde) zum Wallfahrtsort Kloster Marienstatt, einer alten Zisterzienserabtei im Westerwald.

 

Überzeugend ist auch die Liedauswahl. Neben „Klassikern“ wie „Gegrüßet seist Du Königin“ oder „Meerstern ich Dich grüße“ erklingen gleich zwei Weisen des Mönches Martin von Cochem, aber auch seltene Lieder wie „Glücksel`ge Himmelskönigin“ und mit „O Maria Gnadenvolle“ eine alpenländische Volksweise. Guido Görres` “Es blüht der Blumen eine“ zeigt ein typisches Marienlied der katholischen Romantik des 19. Jahrhunderts, dem Sven Hellinghausen mit „Segne Du Maria“ ein Lied der aus dem Protestantismus stammenden Cordula Wöhler an die Seite stellt.

 

Und wenn Sie schon einmal auf der Seite der Bergkapelle Bindweide sind, dann sollten Sie sich auch einmal ihr originelles Maskottchen, den „Molle Musica“ anschauen!

Link:  http://www.bindweider-bergkapelle.de/cms/website.php?id=/de/index/medien/ton.htm

 

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3.2 FREIBERGER BERGSÄNGER


Sprechen wir von bergmännischer Musik, so denken wir in aller Regel an Bergkapellen oder große, vielköpfige Bergmannschöre. Eine ganz eigene Gattung der Bergmusik repräsentieren hingegen die Bergsänger: Gruppen von vier bis zehn Sängern, die den mehrstimmigen a-capella Gesang pflegen und die bereits in der frühen Neuzeit nachweisbar sind. So berichten die Chroniken bereits Mitte des 16. Jahrhundert von Bergsängern im erzgebirgischen Freiberg.

 

Und in Freiberg wurde Mitte der 1990er Jahre eben diese Tradition wieder aufgenommen. Unter der künstlerischen Leitung des Bergoberrates Steffen Döhner formierten sich die „Freiberger Bergsänger“, die sich dem bergmännischen Liedgut verschrieben haben. Auch wenn man es angesichts der stimmlichen Qualität der Sänger kaum glauben mag: alle Sänger sind Laien. Auf zwei CDs bieten die Freiberger Bergsänger nicht nur ein Zeugnis ihres Könnens, sondern auch einen Einblick in die große Vielfalt bergmännischer Lieder.

 

„GLÜCKAUF DER STEIGER KOMMT MIT HELLEM LICHT“ schlägt den Bogen über vier Jahrhunderte bergmännischer Liedkultur: von Liedern, die den Arbeitsalltag des Bergmannes schildern und den Standesstolz der Knappen spiegeln, über ausgewählte Bergchoräle bis hin zu Scherz- und Trinkliedern, die auch den ausgelassen feiernden Bergmann zeigen.

 

Eine etwas besinnlichere Note schlägt die Produktion „METTENSCHICHT MIT DEN FREIBERGER BERGSÄNGERN“ an: eine ganze Reihe bergmännischer Weihnachtslieder, zudem Lieder zum Barbaratag und Lieder zum Jahresende, wenn der Bergmann innehält und sich bewußt wird, daß er nun wieder einen weiteren Teil seiner „Lebensschicht“ verfahren hat.

 

Den historisch interessierten Freund der Bergmusik wird es freuen, auch sehr frühe Beispiele von „Bergreihen“ zu hören, so das Bergmännische Wanderlied „Ich hab durchwandert Städt und Land“ aus dem Jahre 1545 oder eines der ältesten Bergmannslieder überhaupt, „Herr segne unser Kirch und Schul“, das in seiner Melodieführung ins Mittelalter zurückweist. Auf beiden CDs ebenfalls zu hören sind die sicherlich originellsten Instrumente, die die Bergmusik kennt: die Russischen Hörner, beide Male gespielt vom Erzgebirgsensemble Aue.

 

Die Freiberger Bergsänger überzeugen aber nicht nur stimmlich und durch die Auswahl ihrer Lieder. Beiden CDs sind informative und gut geschriebene Klappentexte beigegeben. So erfährt der Leser Wissenswertes über das zu hörende Glockenspiel aus Meißner Porzellan, über Bräuche wie die Mettenschicht und das Barbarafest – und wenn Sie immer schon mal wissen wollten, was es mit dem „Trappschlagen“ auf sich hat – hier erfahren Sie es!


Link:  http://www.freiberger-bergsaenger.de/index.php

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3.3 VOKALENSEMBLE GRUBENKLANG

Ebenfalls der Tradition der Bergsänger entstammt ein an Lebensjahren noch sehr junges Ensemble: das „Vokalensemble Grubenklang“. Kennengelernt haben sich die Mitglieder während des Studiums an der renommierten Montanuniversität Leoben in der Steiermark. Neben der Freude am Gesang eint die Sänger der katholische Glaube, denn sie sind fast alle Mitglieder der Katholischen Österreichischen Studentenverbindung „Glückauf“, die seit 1922 besteht und somit die älteste katholische Verbindung Leobens ist. Die dortigen Studentenverbindungen zeigen häufig schon durch ihren Namen die Verbundenheit zum Bergbau: da gibt es neben „Glückauf“ z.B. „Kristall“, „Erz“, „Schacht“, „Leder“ oder „Cruxia“. Als Verbindungstracht trägt man durchweg den Bergkittel und den in Österreich verbreiteten „Piberstollen“.

 

Grubenklang besteht seit 1995 und legt mit „Anfahrt“ seine erste CD vor. Die neun Sänger haben unter ihrem künstlerischen Leiter Christian Blümel 16 Lieder ausgewählt, die einen ganz besonderen Charakter bergmännischen Gesangs widerspiegeln: die Liedkultur montanistischer Verbindungsstudenten. Angesichts der stimmlichen Qualität ist man auch bei Grubenklang erstaunt, daß es sich hier nicht um ausgebildete Sänger handelt, sondern um Montanwissenschaftler, die nur aus reiner Freude miteinander singen. Zum Repertoire gehört z.B. auch Erwin Lackners anspruchsvolle „Bleiberger Knappenmesse“, die man beim Großen Stiftungsfest der „Glückauf“ sang.

 

Eröffnet wird die Sammlung mit dem außerhalb Leobens nur selten zu hörenden bergmännischen „Leobnerlied“ mit dem Text von Karl Jirsch. Der aus Prag stammende Bergingenieur und Burschenschafter Jirsch widmete das Lied der Leobener Burschenschaft „Leder“, eine Erinnerung an eine schöne und freie Studentenzeit, der er ein wenig hinterhertrauert, wenn er nun „die Strecken und Baue durchquert, das Haupt gebeugt von den Firsten“. Die Melodie stammt von dem Lederer Karl Gold, und heute ist das „Leobenerlied“ die Hymne der Leobener Studenten schlechthin. Weithin bekannt ist hingegen Eugen Höflings „O alte Burschenherrlichkeit“, ebenso das weltweit bekannteste Studentenlied überhaupt „Gaudeamus igitur“, das hier in der alten Moll-Fassung aus dem frühen 18. Jahrhundert. erklingt, die der Liedzeile „vita nostra brevis est“ („kurz ist unser Leben“) den passenden, nachdenklichen melodischen Hintergrund gibt. Mit „Das Bergwerk sei gepreiset“, dem Tarnowitzer Fahrtenlied („Schon wieder tönt vom Schachte her“) und „Wir Bergleute hauen fein“ wird auch dem klassischen Bergmannslied gebührender Raum gegeben. Bei Hans Unterwegers „Warum?“, das im Stil einer Gruppe wie der Wise Guys dargeboten wird, lassen die Sänger aufblitzen, daß sie noch ganz andere Dinge in petto haben. Zum Repertoire gehören eben auch deutschsprachiger  „Pop“ im a-capella Stil und „Klassiker“ der „Comedian Harmonists“, denen man vielleicht eine weitere CD widmen wird.

 

Das Glanzlicht ist sicher „Ich habe keine Sorgen“, ein im alpenländischen Stil vertontes Berggebet, das die Männer um Christian Blümel in einer besonders behutsamen und warmen, sehr „zurückgenommenen“ Weise vortragen, wodurch der sakrale Charakter des Textes anrührend, aber nicht rührend wirkt.

 

Beschlossen werden die 16 Gesangsnummern mit einer Instrumentalaufnahme. Österreich ist das Land mit den ältesten Bergkapellen auf deutschem Grund, und auch die Bergkapelle Seegraben aus Leoben besteht immerhin ununterbrochen seit 1856! Sie spielt den „Glückauf-Marsch“ des Paudorfer Kapellmeisters Friedrich Haupt, der zeigt, daß auch heute noch anspruchsvolle Bergmannsmusik entsteht. Der Marsch greift die Melodie des Leobener Liedes wieder auf, und somit schließt sich der Kreis einer rundum gelungenen und originellen Aufnahme.


Link:  http://www.glueckauf.com/


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4.1 BÜCHER FÜR KINDER UND JUGENDLICHE

Bringen Sie doch Ihren Kindern, Neffen, Nichten oder Enkeln die faszinierende Welt des Bergbaus und des Bergmanns nahe. Diese Bücher können wir Ihnen empfehlen.

 

4.1.1 KARL HEUPEL:                                                                                              MEIN ERSTES BERGBAUBUCH (MALBUCH)

Der Pädagoge und Bergbauenthusiast Karl Heupel schrieb und zeichnete dieses Malbuch, um seinen eigenen Kindern den Bergbau seiner Siegerländer Heimat zu erklären. Das Buch liegt mittlerweile bereits in der vierten Auflage vor. Die Siegerländer Kuh „Elfriede“ nimmt die Kinder mit ins Bergwerk und zeigt ihnen Wichtiges wie das Geleucht (=Grubenlampen) und das Gezähe (=Werkzeug) des Bergmannes, die verschiedenen Abbaumethoden oder die Grubenbahn und die Grubenpferde. Die 18 Bilderseiten sind auf stabilem Karton gedruckt und großflächig gezeichnet und eignen sich somit auch für kleinere Kinder zum Ausmalen. Das Buch ist vor allem für Vorschul- und Grundschulkinder geeignet. Ein besonderes Angebot macht „Elfriede“ am Ende des Buches: wenn die kleinen Leser noch Fragen zum Thema Bergbau haben, können sie Elfriede schreiben.

 

Das Buch ist im Elfriede-Verlag (Karl Heupel), Pfarrwiese 14, 57234 Wilnsdorf erschienen (karl-heupel.de). ISBN 978-3-931667-00-9,

Preis: gerade einmal 5 Euro (Karl Heupel ist eben ein purer Idealist!)

Das Buch ist auch an Schacht 3 erhältlich.

 

 

4.1.2 HEINRICH PEUCKMANN / PHILIPP VON KETTELER:

                                                                                                                                                       TIM UND ANNA FAHREN EIN



Tim und Anna besuchen mit ihrem Onkel Albert, einem ehemaligen Bergmann, eine Ruhrgebietszeche. Sie erfahren, was eine Kaue ist, warum Bergleute nach ihrer Schicht so schwarz aussehen und laufen mit Onkel Albert über eine Halde. Aber Onkel Albert erzählt ihnen auch von früher: von den Zinkbadewannen, in denen die Bergleute sich wuschen, von den Plumpsklos hinter den Siedlungshäuschen, von den Kostgängern, die in den Bergmannsfamilien lebten, von den Brieftauben. Sie erfahren, wofür man „Mutterklötzchen“ brauchte, was ein Förderkorb ist und daß eine Bergmannskuh in Wirklichkeit eine Ziege war. Eine Zeitungsnachricht über ein Bergwerksunglück in Rußland bringt Onkel Albert aber auch dazu, ihnen davon zu erzählen, wie er selbst einmal verschüttet war und wie er gerettet wurde. Tim und Anna brennen natürlich darauf, selber einzufahren: natürlich nicht in einem echten Bergwerk, das wäre zu gefährlich, sondern im Bergbaumuseum in Bochum, und sie erleben dort, wie Kohle abgebaut wird. Begeistert erzählen sie nachher ihren Eltern von ihren Erlebnissen und können es kaum erwarten, den Eltern auch die Welt untertage in Bochum zu zeigen.

 

Das Buch eignet sich sowohl zum Selberlesen als auch zum Vorlesen, da es in schönem, sehr anschaulichem Deutsch geschrieben ist. Auch bergmännische Fachbegriffe werden einfach und verständlich erklärt. Jeder Textseite ist eine komplette Farbseite gegenübergestellt, auf der der Illustrator Philipp von Ketteler sehr detailliert das Geschilderte darstellt. Und gleich zu Anfang erfahren die Leser bereits etwas ganz Wesentliches von Onkel Albert zum Thema Bergmannskameradschaft: „Er war doch mein Arbeitskollege, mein Kumpel, wie wir Bergleute sagen. Den kann ich doch nicht vergessen, oder?“

 

Das Buch ist im Aschendorff Verlag, Münster erschienen. ISBN 978-3-402-12828-2

Preis: 12,80 Euro

Das Buch ist auch an Schacht 3 erhältlich.

 

 

4.1.3 WOLFGANG STÖSSEL:

 

                                                                                                                                           BERGMANNSKUH UND HIMBEERSPAT

 

Besser kann man einen Leser nicht an den Bergbau heranführen. Dem Autor Wolfgang Stössel ist hier das Kunststück gelungen, ein Buch für Kinder und Jugendliche zu schreiben, das auch Erwachsene mit Begeisterung lesen. Ein Bergmann würde sagen: eine wahre „Fundgrube“ des Wissens, übersichtlich und abwechslungsreich. Hier ist es die gut gelaunte „Bergmannskuh“ (also Ziege) Ferdinand, die den Leser durch den Erzbergbau ihrer Heimat Siegerland führt. Ein weiterer Teil des Buches ist der Verarbeitung des Erzes gewidmet. Eine Fülle von Fragen wird gestellt – und beantwortet: Warum sind manche Stollen eingestürzt, andere aber nicht? Was versteht man unter Pingen? Was ist eigentlich eine Grubenwehr? Was machten die Bergleute in ihrer Freizeit? Natürlich wird auch erklärt, was „Himbeerspat“ ist: ein in Farbe und Form an Himbeeren erinnerndes, sehr hübsch anzusehendes Mineral. Und selbstverständlich wird auch die Frage aller Fragen beantwortet: Wo gingen die Bergleute untertage eigentlich zum Klo?

 

Der Inhalt ist didaktisch gut aufbereitet, niemals ermüdend, da die einzelnen Abschnitte und Kapitel übersichtlich und nicht zu lang sind. Deshalb eignet sich das Buch auch zum Schmökern und „Querlesen“, oder man greift sich gleich eine interessante Überschrift heraus und beginnt dort zu lesen. Eine wahre Fülle von Photos illustriert den Text. Der Journalist Wolfgang Stössel hat „Ferdinand“ zudem als Reporter losgeschickt, um Erlebnisberichte von alten Bergleuten und Zeitzeugen des Bergbaus einzufangen. Auch werden dem Leser Tips gegeben, z.B. wie man Mineralien auffindet, wie man eine Mineraliensammlung aufbaut oder welche Besucherstollen und Museen zu besichtigen sind.

 

Das Buch ist für Jugendliche absolut interessant, zudem ist es auch für den Schulunterricht geeignet, aber eben auch für erwachsene Leser, die hier einen farbigen und erschöpfenden Einblick in den Bergbau bekommen.

 

Das Buch ist im Verlag amadeusmedien, Betzdorf erschienen. ISBN 3-9808936-7-7

z.Zt. Sonderpreis 9,80 Euro!

 

 

 

4.2 BÜCHER FÜR ERWACHSENE

 

4.2.1 DIETMAR WERNER:

 

                               KNAPPEN, HEILIGE UND EINE LANGE SCHICHT

 

Der erzgebirgische Autor Dietmar Werner ist durch eine ganze Reihe von Veröffentlichungen zum Bergbau hervorgetreten, darunter einige Sammlungen mit bergmännischen Sagen. Hier legt er ein kurzweilig geschriebenes und reich illustriertes Buch vor, das im besten Sinne ein Lesebuch ist. Einziges Ordnungsprinzip, das der Verfasser bei seinen rund drei dutzend Artikeln vor Augen hatte: interessant und originell muß es sein! Es ist für jeden Leser etwas dabei, man muß auch keineswegs eingefleischter Erzgebirgs-Fan sein. Und Werner achtet stets darauf, auch bergbauliche und technische Dinge oder Sachverhalte allgemeinverständlich zu erklären, so daß auch ein nicht bergmännisch bewanderter Leser seine Freude hat. So findet sich ein Artikel über den Ursprung des bergmännischen Symbols schlechthin, Schlägel und Eisen, genauso wie eine Deutung des bergmännischen Grußes „Glückauf“, eine Darstellung des weihnachtlichen Schwibbogens und eine kurze Einführung in die „Bergreihen“, die frühen Bergmannslieder. In „Ist ein Lichtlein angezündet“ wird auch Lesern, die noch nie untertage waren, deutlich, warum die Bergleute eine solche Sehnsucht nach dem Licht hatten. Werner bietet aber auch einen Überblick über wesentliche Bergbauheilige, die durch die allerorten übliche Barbaraverehrung mitunter aus dem Blickfeld geraten, oder eine Aufstellung von Redensarten aus dem Alltag, von denen wir kaum vermuten würden, daß sie aus dem Bergbau stammen.

Das Buch ist erschienen in der Verlagsgesellschaft Marienberg. ISBN 978-3-931770-84-6.

Preis: 14,90 Euro


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5. FILME

Einer kaum noch zu überschauenden Zahl von Dokumentationen zum Thema Bergbau stehen nur wenige Spielfilme mit Bergbaubezug gegenüber, die auf DVD erhältlich sind. So dürfte die SAT 1 Produktion „DAS WUNDER VON LENGEDE“ hierzulande allen noch in guter Erinnerung sein und braucht deshalb hier nicht gesondert besprochen zu werden (erhältlich im Vertrieb der Columbia Tristar).

 

Dem sehr empfehlenswerten Internetportal „revierkucker.de“ verdanken wir den Hinweis auf den Film

                                                                                                                                                            5.1 „KAMERADSCHAFT“


Der Film von G.W. Pabst nimmt die Bergwerkskatastrophe von Courièrres im Jahre 1906 als Vorlage, verlegt sie aber in die Zwischenkriegszeit. Gewiß, der Erste Weltkrieg ist vorüber, und Deutsche und Franzosen stehen einander nicht mehr in Waffen gegenüber. Aber die gegenseitige Abneigung ist geblieben, und schon eine kleine Wirtshausstreiterei läßt die Animositäten sofort wieder aufflammen. Da bricht urplötzlich die Nachricht von einem schweren Unglück auf der benachbarten französischen Grube herein, die die deutschen Bergleute dazu bringt, sich zu besinnen, was sie und die französischen Bergleute doch in Wirklichkeit sind, nämlich Kameraden. Über und unter Tage kommen  nun die Deutschen ihren eingeschlossenen französischen Kameraden zu Hilfe. Der Film schließt mit einer ironischen Drehung, als deutsche und französische Zöllner untertage die Durchbruchstelle unter der Landesgrenze wieder mit einem Gitter verriegeln: „Ordnung muß sein“.

 

Anders als man bei einer so emotionalen Handlung glauben könnte, ist der Film aber kein Luis Trenker für Untertage. Er ist vielmehr erfrischend kitschfrei und unpathetisch, was nicht nur an der nüchternen Regie, sondern auch an den realistischen Untertageszenen liegt, die u.a. in mehreren Gruben im Ruhrgebiet gedreht wurden. Der Film aus dem Jahre 1931 ist wirklich empfehlenswert, und der Nachgeborene sieht ihn mit Bewunderung, aber auch mit Nachdenklichkeit, denn gerade einmal acht Jahre nach Erscheinen des Films standen unsere beiden Völker sich wieder im Kampf gegenüber.

 

Erschienen bei der Ufa und im Handel für rund 10 Euro erhältlich.

 

 

5.2. „BRASSED OFF“ (deutscher Titel: „Mit Pauken und Trompeten“)

Besser kann ein Bergbaufilm nicht sein – und das, obwohl er kaum Untertageszenen enthält. Anfang der 1990er Jahre in Yorkshire: nur wenige Jahre nachdem Margaret Thatcher der britischen Bergarbeiterschaft das Genick gebrochen hat, droht nun auch der Grube Grimley das Aus. Deren Bergkapelle bereitet sich gerade auf die Nationalen Musikmeisterschaften vor. Was als Kampf um Arbeitsplätze beginnt, wird sehr schnell zu einem Kampf um Respekt, Selbstachtung, Zusammenhalt, Würde und Stolz.

 

Hinter dem fiktiven Ort Grimley verbirgt sich der reale Ort Grimethorpe in Yorkshire, der seit der Grubenschließung 1992 offiziell als die ärmste Gemeinde Großbritanniens gilt. Und die Bergkapelle ist die heute noch existierende Grimethorpe Colliery Band (colliery = Bergwerk), die wohl berühmteste Bergkapelle Großbritanniens, die den gesamten Soundtrack einspielte und deren Musiker auch im Film mitwirken.

 

Der Film von Regisseur und Drehbuchautor Mark Herman ist traurig, lustig, hoffnungsvoll und durch ironische Brechungen immer wieder britisch-witzig. Und so wäre ein billiges Happy End a la Hollywood („die Grube wird nun doch nicht geschlossen, und alle Bösen werden bestraft oder bekehren sich“) natürlich undenkbar. Aber es ist ein versöhnlicher

Schluß. Die Musiker fahren nach dem Gewinn der Meisterschaft in der Royal Albert Hall wieder in ihre Heimat Yorkshire zurück: zurück zu ihrer Grube, die nun geschlossen ist, zurück in ein sich nun auflösendes Gemeinwesen und in eine völlig ungewisse Zukunft. Aber sie haben etwas wiedererrungen, was sie beinahe verloren, ja sogar selbst aufgegeben hatten: ihre Würde.

 

Und so spielen die Musiker von Grimley/Grimethorpe im Bus jene imperiale Hymne „Land of Hope and Glory“, die fast so etwas wie eine zweite Nationalhymne ist und die der Dirigent „Danny Ormondroyd“ (gespielt von Pete Postlethwaite) mit einem bitter-stolzen „Land of Hope und Scheiß-Glory“ ankündigt. Aber sie spielen sie eben nicht mit jenem fahnenschwenkenden Tschingderassa und dem ausgelassen-patriotischem Gejohle, wie man es aus der „Last Night of the Proms“ kennt, sondern ernst, ruhig und nachdenklich, ja fast in sich gekehrt.

 

„Daß Dein ärmster Sohn auch Dein getreuester war“, so charakterisierte der Arbeiterdichter Karl Bröger im Ersten Weltkrieg den Patriotismus der Arbeiterklasse, zu der ja auch Bergleute gehören. Und so ist es auch hier: nicht in Whitehall befinden sich die Patrioten, nicht in einer Regierung, die die Bergleute längst abgeschrieben hat, nicht in den Konzernzentralen, für die sie nicht einmal mehr „Humankapital“ darstellen und auch nicht in einer Konsumgesellschaft, die ehrliche Arbeit nicht mehr anerkennt und die nach der Maxime verfährt „Schnapp Dir alles, was Du kriegen kannst.“ Die wirklichen Patrioten sitzen hier in diesem betagten, klapprigen Bus, der sie zurück in den Norden fährt.

Im Abspann erfährt der Zuschauer, daß in Großbritannien seit 1984 in wenigen Jahren über 140 (!) Bergwerke geschlossen wurden. Nicht zuletzt die brennenden Innenstädte des Sommers 2011 haben uns deutlich gemacht, wie sich solcher Zynismus und Verrat am eigenen Land rächt. Nimmt man Menschen erst einmal Würde und Stolz, dann geht kurze Zeit später nur noch die Saat des Nihilismus auf.

 

Zurecht ist der Film gelobt worden für sein Lokalkolorit und vor allem für seine grandiosen Schauspieler, insbesondere die der zweiten und dritten Reihe. Wer hätte in dem kantigen, zerklüfteten Gesicht des Pete Postlethwaite (ein renommierter Shakespeare-Schauspieler!) etwa nicht sofort den Bergmann gesehen? Fortan war Postlethwaite „das Gesicht des britischen Bergmannes“. Und so mag es auch nicht überraschen, daß Postlethwaite bis zu seinem Tod zu seinem „Heimatort“ Grimley/Grimethorpe Kontakt hielt und auch zu „seiner“ Kapelle.


                                                                                                             Pete Postlethwaite als “Danny Ormondroyd“, Szenephoto aus Brassed Off

 

Bei britischen Bergkapellen ist es Usus, daß nach dem Tod des Dirigenten sich die Kapelle an einem öffentlichen Platz versammelt und dort dessen Lieblingsstück als Abschied spielt. Als Postlethwaite Anfang 2011 starb (ironischerweise an einer Lungenkrankheit), versammelte sich die Grimethorpe Colliery Band am Abend des 13. Januar, einem Donnerstag, auf der High Street von Grimethorpe und spielte dort zum Abschied von „ihrem Dirigenten“ Pete Postlethwaite eben das Stück, das sie im Film für ihren todkranken, an Staublunge leidenden Dirigenten Danny gespielt hatte: „Danny Boy“.

Gerade diese emotional nachhaltige Filmszene mit ihrer ironisch-witzigen Pointe („Mr. Ormondroyd läßt Ihnen etwas ausrichten: Das Tenorhorn kommt etwas zu schwach!“) zeigt die Meisterschaft von Hermans Film. Schauen Sie sich diese Szene einmal an: Sie werden „Danny Boy“ nie mehr vergessen!

LINK:      http://www.youtube.com/watch?v=6F5vBsY9VZ8

 Buchstäblich „ganz großes Kino“. Bei Arthaus erschienen und im Handel für ca. 10 Euro erhältlich.

Und wenn Sie jetzt meinen: „Irgendwie klingt diese Kapelle völlig anders als eine deutsche Blaskapelle“, dann haben Sie recht. Die „British Brass Bands“ spielen ganz einfach andere Instrumente. Saxophone und Flöten, Klarinetten und Fagotte wird man dort vergeblich suchen. Statt Trompeten erklingen Kornette, und zudem erzeugen Flügelhörner und Baßposaunen, Alt- und Baritonhörner und nicht zuletzt Euphonien jenen typischen warmen, milden Klang, der gerade symphonische Blasmusik zu einem Klangerlebnis werden läßt. Leider gibt es in Deutschland nur ein wenige Orchester, die diese britische Brass Band- Tradition pflegen. Doch in unserer Heimat, dem Dreiländereck, haben wir das Glück, ein solches Orchester zu besitzen: die „Düren Brass Band“ unter ihrem Dirigenten, dem Kölner Musiker und Musikpädagogen Martin Schädlich. Auf ihrer Website LINK:  http://www.brassbanddueren.de/ erfahren Sie alles über ihre Auftritte, und hier [LINK http://www.youtube.com/watch?v=j3Wydh7VjeA erleben Sie dieses bemerkenswerte Orchester auf der Bühne. Auch für die Düren Brass Band gilt der Satz, mit dem der britische Musikwissenschaftler Professor Nick Childs britische Brass Bands und Colliery Bands charakterisierte: „Amateur in status, but Olympic in standard!“